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Ludwig van Beethoven

Sinfonien Nr. 5 c-Moll op. 67 und Nr. 6 F-Dur op. 68 „Pastorale“

WDR Sinfonieorchester, Marek Janowski

Pentatone/Naxos PTC5186809
(73 Min., 9/2018) SACD

Mit Beethovens Fünfter und Sechster, aufgeführt von einem guten Sinfonieorchester, ist diskografisch heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Würde man denken. Merkwürdig nur, dass man kaum je ungeduldig reagiert, wenn nur beherzt und mit Elan zugegriffen wird. So wie hier.
Marek Janowski ist gewiss nicht als interpretativer Revoluzzer oder als junkiemäßiger Sniffer der historischen Aufführungspraxis bekannt. Rigider Prober, der er ist, vermag er indes einem Orchester mit manch unbequemem Wort ungeahnt auf die Sprünge zu verhelfen. Außerdem neigt er – bei durchaus schwerblütigem Temperament – dazu, feierlichen, gar pastosen Stücken plötzlich die Zügel schießen zu lassen und zu ungeahnt aufgeräumten, dahinfliegenden Deutungen vorzudringen. So wie hier.
Die Tempi sind zügig, der Flow und Zug der Werke enorm. Das entfaltet in der Fünften geradezu Eleganz und ungeahntes Brio. Das große Finale erzittert, erbebt vor innerer Bewegung. Das ist nicht neu, aber begeisternd gut empfunden. Auch die „Pastorale“ atmet Großzügigkeit, Weite und innere Ausgeglichenheit.
Kein Zweifel, dass Janowski dem WDR-Sinfonieorchester guttut. Ähnlich wie zuvor beim RSB, beim Orchestre de la Suisse Romande und anderen Klangkörpern mit wechselvoller Geschichte bewährt er sich als der womöglich beste TÜV-Oberinspektor der Branche. Als Unterboden-Analyst und ingeniöser Feinmechaniker, dem in dieser Hinsicht niemand so leicht das Wasser reicht. Wohl dem, der sich seinen festen Händen anvertrauen mag. Janowski, wenn das so weitergeht, wird der Nachfolger von Spät-Legenden wie Günter Wand und Herbert Blomstedt. Mit dieser Aufnahme hätt’ er’s verdient.

Robert Fraunholzer, 14.12.2019



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