Dass Marc Minkowski ein riesiges Herz für Jacques Offenbach besitzt, hat er schon vor über zwei Jahrzehnten in unterschiedlichen Produktionen unter Beweis gestellt. Angefangen von der „Belle Hélène“ mit der unvergleichlichen Felicity Lott in der Titelrolle bis hin zu einer Offenbach-Gala mit „Gute Laune“-Mezzo Anne Sofie von Otter, die u.a. eine herrlich angesäuselte peruanische Straßensängerin „La Périchole“ gab. Mittlerweile ist Minkowski samt Les Musiciens du Louvre fest an der Oper der Wein-Metropole Bordeaux engagiert. Und dort brachte er zusammen mit einem durchweg das pure Hörvergnügen garantierenden Solistenensemble Offenbachs Latino-Opéra-bouffe „La Périchole“ heraus. 1868 wurde das Stück in Paris mit Hortense Schneider in der Titelpartie uraufgeführt. 1874 überarbeitete Offenbach den Zwei- in einen Drei-Akter. Und aus diesen beiden Fassungen hat Minkowski jetzt eine Mischfassung anfertigen lassen, bei der sich immer wieder auch ganz unerwartet lyrische, aus dem großen französischen Opernhimmel stammende Töne in das selbstverständlich quirlige, witzige und auch spanisch imprägnierte Klangtreiben mischen. Denn auch wenn die (Live-)Szenerie ganz auf das Kreuz und Quer zwischen dem armen Pärchen Périchole und Piquillo und einem lüsternen Vizekönig abgestellt ist, hält Offenbach immer wieder die Zeit für herzergreifende Liebesduette an. Aude Extrémo als Périchole und Stanislav de Babeyrac als Piquillo können da mit herrlichstem Melos verlocken. Bevor sie wie das gesamte Ensemble dann wieder Teil einer Offenbachschen Buffo-Maschinerie werden, die unter der Leitung Minkowskis einfach nur unvergleichlich in Gang gesetzt und auf Hochtouren gebracht wird.

Guido Fischer, 03.08.2019



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