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Unico Wilhelm van Wassenaer, Jean-Marie Leclair, Jean Baptist Loeillet, Joseph-Hector Fiocco

Unico Wilhelm van Wassenaer (Blockflötensonaten)

Erik Bosgraaf, Francesco Corti

Brilliant/Edel 1095907BRC
(66 Min., 9/2018)

Der lapidare Titel dieser CD, „Unico Wilhelm van Wassenaer“, suggeriert zunächst, es handele sich um ein reines Wassenaer-Programm, was sensationell wäre: Für die Besetzung Blockflöte plus Continuo sind nämlich bisher nur drei Sonaten des niederländischen Adligen bekannt. Genau diese drei machen indes auch den Wassenaer-Anteil auf dieser CD aus – keine neuentdeckte Musik also, wobei freilich auch die hier präsentierten Stücke des Grafen nicht gerade zum Mainstream-Repertoire gehören.
Was sich außer Wassenaers drei Sonaten noch im Programm findet, deutet der Untertitel an: Es geht um „die Blockflöte in den Niederlanden“. Repräsentiert sind Komponisten mit Bezug zu diesem Landstrich, darunter überraschenderweise Jean-Marie Leclair, der weder Niederländer noch Blockflötist war, oder Jean Baptist Loeillet aus Gent („de Gant“), der vor allem in Frankreich tätig war, und der Belgier Joseph-Hector Fiocco, dessen Vater aus Italien eingewandert war. Pars pro toto wird schon anhand dieser drei Namen erkennbar, wie international die barocken Komponisten und mit ihnen auch ihre Stilistik aufgestellt sind.
Erik Bosgraaf und Francesco Corti, seit langem ein eingespieltes Team, begeistern als Duo vom ersten bis zum letzten Ton: Corti ist ein brillanter, kreativer, hochaufmerksamer und bis ins kleinste Detail dialogbegeisterter Cembalist, der kein Cello an seiner Seite braucht, um die Continuopartie überzeugend mit Leben zu füllen. Erik Bosgraaf fasziniert auf insgesamt sieben verschiedenen Flöten von Sopranino- bis Basslage mit seiner Gestaltungskunst, mit der warmen Rundung seines Klangs, mit seiner dem Gesang ausgesprochen nahen Phrasierung und Artikulation. Niemals zickig oder hypertroph, stellt er sich komplett in den Dienst einer sehr persönlich geprägten Musikvermittlung. Die Virtuosität, über die er selbstverständlich auch gebietet, setzt er niemals zum Selbstzweck ein. Wunderschöne Musik in fesselnder Darbietung, nirgends auch nur ein Anflug von Schnickschnack.

Michael Wersin, 03.08.2019



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