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Béla Bartók

Sämtliche Streichquartette

Quatuor Diotima

Naïve/Indigo 05172792
(164 Min., 3- 5/2018) 3 CDs

Zwischen 1908 und 1939 komponierte Béla Bartók sechs Streichquartette, die geradezu einem großen Organismus gleichen. Denn im 1. Streichquartett begegnet man bereits diesem Flechtwerk aus Tradition und Moderne, aus folkloristischen Anleihen und den nicht zuletzt von Schönberg vorangetriebenen klangsprachlichen Auflösungsprozessen, für die Bartók fortan immer wieder neue Wege und Gestaltungsmuster fand. Trotzdem besitzt jedes der Streichquartette seine ganz eigene Identität, seine ganz individuellen Spannungs- und Erzählbögen mit den auch entsprechenden Abgründen. Wie gegenwärtig diese Musik dabei ist, bis hin zu Bartóks 6. Streichquartett mit seinem Erschütterungspotenzial und fahlen Melos, zeigt jetzt das französische Quatuor Diotima bei seiner Gesamteinspielung aller Quartette durchweg so ungemein beeindruckend wie bewegend. Das geistig-intellektuelle sowie spieltechnische Niveau, auf dem hier musiziert wird, vermag hingegen nicht mehr zu überraschen – schließlich ist dieses Ensemble nicht nur bestens vertraut mit dem Fin-de-siècle-Ton der Schönberg-Schule, dem man bei Bartók ebenfalls immer wieder begegnet. Zugleich hat das Quatuor Diotima nicht zuletzt dank seiner intensiven Beschäftigung mit der zeitgenössischen Musik, mit den komplexen wie komplizierten Stücken etwa von Luigi Nono und Helmut Lachenmann, sich genau jenes seismografische Feingespür für die subtil gesetzten Kontraste und Reibungen zugelegt, die man jetzt auch bei Bartók so frappierend auszuspielen versteht. Diese Gesamteinspielung legt man so schnell nicht wieder zur Seite.

Guido Fischer, 01.06.2019



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