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Franz Schubert, Franz Berwald

Oktett D 803, Grand Septet

Anima Eterna Brugge

Alpha/Note 1 ALP461
(80 Min., 10/2018)

Sie waren fast ein Jahrgang und hörten beide auf denselben Vornamen. Und beide, Franz Schubert und Franz Berwald, hatten ein Faible auch fürs musikalisch Unterhaltsame und Gemütliche. Der Österreicher hat dafür reichlich Belege hinterlassen, mit seinen Klavier-Divertissements beispielsweise. Auch sein Oktett von 1824 für Streicher und Bläser besitzt immer wieder jene luftigen, unbeschwerten Züge, mit denen das wahrscheinlich 1828 komponierte Septett von Berwald ebenfalls punktet. Überhaupt sind diese beiden Kammermusikwerke aus ähnlichem Holz geschnitzt. Denn so wie Schubert bei aller Leichtigkeit musikalisch ja nie die Schattenseiten des Lebens aus dem Blickwinkel verlor, so hat der Schwede Berwald allein schon in nur einem Satz gerne mal zwischen virtuoser Ausgelassenheit und etwa verträumter Innenschau hin und hergeswitcht. Auch das Klarinettensolo, mit dem der langsame, romantische und vom Geiste Mozarts beseelte Satz eröffnet wird, lässt nachvollziehen, warum Berwald gerade auf dieses Septett mächtig stolz gewesen ist.
Beeindruckend ist aber gleichermaßen, auf welchem Niveau die sieben bzw. acht Musiker aus dem von Jos van Immerseel geleiteten Originalklang-Orchester Anima Eterna Brugge beide Werke nicht einfach gegenüberstellen. So transparent die einzelnen Stimmen herüberkommen, so klangschön verbünden sie sich mit ihren Dialogpartnern in einem vitalen, energiereichen und vor allem gehaltvollen Ensemblespiel und -denken. Dass damit der Kammermusikkomponist Berwald nicht allein aus dem Schatten des Kollegen Schubert tritt, sondern ihm jetzt auf Augenhöhe begegnet, ist quasi nur die logische Konsequenz.

Guido Fischer, 27.04.2019



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