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Luigi Boccherini

Stabat Mater, Cello-Konzerte Nr. 6 & 9 u.a.

Ophélie Gaillard, Sandrine Piau, Pulcinella Orchestra

Aparte/harmonia mundi AP194
(116 Min., 4 & 9/2018) 2 CDs

Erstaunlicher Luigi Boccherini: In Volkes Ohr und Mund lange Zeit nur mit „dem“ Menuett in zahllosen Bearbeitungen präsent, erlebt er seit noch nicht allzu langer Zeit eine Renaissance, die ein zunehmend weiter werdendes Spektrum seiner zahlreichen Werke und damit immer mehr auch seine Bedeutung zum Vorschein bringt. Die Cellistin Ophélie Gaillard liefert mit ihrem vorliegenden Album einen wertvollen Beitrag zu diesem Prozess der Rückbesinnung auf ein Genie. Öfters machte in den letzten Jahren das Stabat Mater in der Fassung für Sopransolo und Streichquintett auf dem CD-Markt Furore, und es fehlt auch in dieser Sammlung nicht. Nach Dorothee Mields` großartiger Neueinspielung mit dem Salagon-Quintett, erschienen 2017, hielt man eine adäquate Version in absehbarer Zeit eigentlich kaum mehr für möglich. Aber Sandrine Piau kann es in puncto Ausdrucksstärke und stimmlicher Reizesfülle durchaus mit Mields aufnehmen, und das begleitende Quintett – hier mit Kontrabass statt zweitem Cello –, dem selbstverständlich Ophélie Gaillard angehört, ist ein erstklassiges Begleitensemble. Auf derselben CD fand auch noch eine Sonate für Cello und Klavier Platz, die auf ihre Art nicht minder reizvoll ist: Von Francesco Corti am Hammerklavier begleitet (der Klavierpart ist als bezifferte Bassstimme überliefert!) entfaltet Ophélie Gaillard den ausgesprochen umtriebigen und melodisch vielfältigen Cellopart mit höchster Könnerschaft.
Auf der anderen CD finden sich zwei Cello-Konzerte, eine Sinfonie und ein Streichquintett, die allesamt erneut die Kreativität Boccherinis belegen. Das Cellokonzert Nr. 6 beginnt vielleicht mit einem etwas klischeehaften Ritornell im ersten Satz, aber die Ausflüge in die spanische Folklore, die der letzte Satz zur Überraschung des Hörers bereithält (Boccherini war nacheinander mit zwei Spanierinnen verheiratet), sind höchst originell. Von allem Weiteren lasse sich der interessierte Hörer ruhig überraschen.

Michael Wersin, 20.04.2019



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