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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Tara

Aapo Heinonen Quintet

Ozella/Galileo OZ089CD
(63 Min., 3/2017)

Er habe diese Songs schon bei allen erdenklichen Gelegenheiten gespielt, verrät der finnische Pianist Aapo Heinonen im Booklet seiner dritten CD. Ob Beerdigungen, Hochzeiten oder Taufen – die Musik habe immer gepasst. Da fragt man sich schon, was das für Kompositionen sein müssen, die ein derart weites Gefühlsspektrum zu bedienen wissen. Die Antwort: Es handelt sich bei ihnen um feinsinnig arrangierten Fusionjazz, der aber weder etwas mit den Kraftmeiereien des Genres zu seinen Hochzeiten in den 1970ern gemeinsam hat, noch mit den oft bemühten Klischees des nordischen Sounds.
Entsprechend programmatisch hört die Eröffnungsnummer auf den Titel „Way Out South“. Denn nach einem coolen Beginn, in dem das Quintett um Heinonen Erinnerungen an Wayne Shorters „Footprints“ weckt, verwandelt sich das Ganze urplötzlich in eine pfeffrige Latinangelegenheit. Ähnlich angenehm überraschend verhält es sich auch mit den folgenden Stücken, in denen Heinonen noch eine Geigerin und Cellistin hinzubittet; nicht als Streicherbeilage, sondern als melodische Anspielpartner. Und auch das artet nicht in selbstverliebte Virtuosität wie etwa beim Mahavishnu Orchestra aus.
Die Musik des Finnen bewegt sich stets in der Schwebe zwischen südamerikanisch federnder Leichtigkeit und kompositorischer Gestaltungslust, die sich nicht vor anmutig-poppigen Wendungen scheut. Da mag man zuweilen an die Ohrwürmer von Mezzoforte denken, die als Isländer in den 1980ern eine eigene Form von skandinavischer Fusion entwickelten. Dem hörerfreundlichen Duktus entsprechend sind auch die Soli von Saxofonist Teemu Takanen, Gitarrist Héctor Lepe, Fretless-Bassist Vesa Ojaniemi und Schlagzeuger Tomi Saikkonen blitzsauber ausgeführt. Da fällt der Bandleader, der – jazzrockuntypisch – statt E-Piano akustisches Klavier spielt, mit seinen leidenschaftlichen Improvisationen schon fast aus dem Rahmen. So oder so ist „Tara“ ein weiterer starker Beleg für die erstaunliche Vielfalt der vermeintlich kleinen Jazznation Finnland.

Josef Engels, 17.11.2018



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