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Robert Schumann, Maurice Ravel, Béla Bartók

De la nuit (Fantasiestücke op. 12, „Gaspard de la nuit“, „Im Freien“)

Dénes Várjon

ECM/Universal 4817003
(65 Min., 4/2016)

Der Ungar Dénes Várjon gehört eher zu den stilleren Vertretern der Pianistenzunft. Trotzdem garantiert er selbst bei den Klassikern im Repertoire neue Ein- und Ausblicke, ohne sich dabei nur für einen kurzen Moment im Originellen verlieren zu wollen. Allein schon aus diesem Grund ist auch Várjons jüngstes Recital wieder ein Ereignis und Glücksfall. Den roten Faden bildet das Fantastische, das Aus-der-Norm-gefallene, das Grenzensprengende. Wobei natürlich zwischen dem Romantiker Robert Schumann und den beiden so unterschiedlichen Wegbereitern der Moderne Maurice Ravel und Béla Bartók nicht nur ein ganzes Jahrhundert liegt, sondern musikalische Welten. Doch dank der Gestaltungskunst von Dénes Várjon bilden sich immer wieder subtile Berührungspunkte zwischen den eingespielten, komplett gegensätzlichen Werken, und diese beglaubigen die in sich stimmige Auswahl. Selten hat man Ravels „Gaspard de la nuit“ so geradezu anti-schaumschlägerisch gehört – und dennoch steckt auch in diesem Mini-Drama in drei Sätzen das tiefe Seelentosen des 19. Jahrhunderts, das Várjon bei aller Clarté mit einer packenden Fulminanz und Brillanz inszeniert. Und plötzlich besitzt auch der übermäßig bewegungslustige „Aufschwung“ aus Schumanns Fantasiestücken op. 12 eine erstaunliche Geistesnähe zu Ravel. Hört man den Schumann-Zyklus zudem isoliert, ist man gleichermaßen fasziniert von Várjons spektakulärer Gelassenheit, mit der er hier so frei seine Runden dreht, um zwischendurch die schönsten lyrischen Momente zu genießen. Bleibt nur noch Bartóks fünfsätziger Zyklus „Im Freien“ aus dem Jahr 1926. Schon im geheimnisvoll schillernden und zugleich so beklemmend monotonen Satz „Klänge der Nacht“ begegnet man da einer visionären Klangsprache, die der von Schumann und Ravel auch in ihrer Ausdruckstiefe in nichts nachsteht.

Guido Fischer, 22.09.2018



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