Höhlen, verwandelte Felsen, ein Zauberschloss, ein verwunschener Garten: "Alcina", Händels 1735 an der noch jungen Covent Garden Opera uraufgeführte 30. italienische Oper, ist eine Zauber-Oper. Doch nicht nur das. "Alcina" ist auch ein ganz trübes Stück: eine Oper über die Fehlbarkeiten innerhalb einer desillusionierten Welt, an denen schließlich auch die Heldin selbst, wunderschöne Kantilenen auf den Lippen, zerbricht.
Daran freilich will der Dirigent William Christie so recht nicht glauben. Zumindest Händels immer wieder wirklich zu Herzen gehende Musik, scheint er sagen zu wollen, schafft hier klingende Räume, in denen das Wünschen noch helfen kann. Sehr schwungvoll, präzise und überaus durchsichtig lässt Christie sein Orchester Les Arts Florissants musizieren, und der dazu gehörige, hörbar von unverbrauchten, jungen Stimmen geprägte Chor tut es den Instrumentalisten gleich. Sehr schön ist das, gewiss – doch im Ausdruck für mein Empfinden etwas schwachbrüstig.
Mit Renée Fleming als Alcina werde ich nicht ganz glücklich: Zwar gibt sie die Titelpartie mit teilweise hinreißender Emotion, doch ist mir ihre Stimme oft zu schwer, zu behäbig und zudem – auch wenn ich gewiss keine puristische Verfechterin der oft steril wirkenden Vibrato-Armut bin – in der Dosierung des Vibratos oft zu wenig kontrolliert. Wie Renée Fleming die Abschieds-Arie der Alcina gibt ("Mi restano le lagrime"), das ist allerdings in seiner tiefen Traurigkeit wirklich anrührend.
Unter den übrigen Sängern gefallen mir neben Susan Grahams Ruggiero ganz besonders Natalie Dessay als sehr leichte und selbst lange Koloratur-Passagen genau gestaltende Morgana und Kathleen Kuhlmann als Bradamante.

Susanne Benda, 30.03.2000



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