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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Leona Berlin

Leona Berlin

Warner 9029568973
(58 Min.)

Was für eine Überraschung! Wenn man nur den Namen und die Musik der 1991 geborenen Sängerin, Komponistin und Arrangeurin Leona Berlin hört, käme man nie auf die Idee, dass sie in Karlsruhe geboren wurde, in einem Ort namens Hügelsheim aufgewachsen ist und in Mainz Gesang und Klavier studiert hat. Dafür klingen die Songgespinste auf ihrem Debüt viel zu sehr nach großer Welt.
Liebhaber des modernen R&B und Neo-Soul dürften sich bei Leona Berlins Stimme und Stil an Erykah Badu, Jill Scott, Alicia Key oder Janelle Monáe erinnert fühlen, wohingegen Jazz-Kenner eine gewisse Verwandtschaft mit Torun Eriksen, Meshell Ndegeocello, Gretchen Parlato oder den reichen Vokalharmonien von Gruppen wie New York Voices oder Manhattan Transfer entdecken mögen (ein gutes Beispiel dafür liefert Berlin mit ihrem A-cappella-Gesang im Stück „Free“).
Um all diese Verweise herum bastelt die lässige deutsche Antwort auf das hyperaktive britische Wunderkind Jacob Collier wohldurchdachte Liedkonstruktionen, die zwar deutlich mit angehiphoppten Soul-Standardversatzstücken liebäugeln, aber im Einzelnen eine große Lust am verspielten Detailreichtum offenbaren. Da dominiert mal ein hitzeflirrender Daumenklavier-Groove („Walking“), mal schnurrt eine Jazzgitarre süffige Licks („Make Me Wanna“), mal ertönt ein Bassakkord à la Thundercat („Snow Crystal“). Und auch für Streicher oder ein knödeliges, durch einen Effekt gejagtes Saxofon ist Platz. Dass das alles so verdammt nach USA klingt, verdankt sich wohl auch der Mitarbeit von Musikern aus dem Umfeld von Robert Glasper.
Man weiß letztendlich gar nicht, was erstaunlicher ist: Dass Leona Berlin das alles größtenteils selbst produziert und geschrieben hat (Ausnahme ist das wohltuend entdramatisierte Prince-Cover „Nothing Compares 2 U“) – oder dass sie tatsächlich so heißt? So oder so lässt sich beruhigt festhalten: Deutsche können inzwischen nicht nur bei TV-Serien wie „Dark“ oder „Babylon Berlin“ mit den Amerikanern mithalten, sondern auch bei zeitgemäßen R&B-Alben.

Josef Engels, 15.09.2018



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