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Vanished Gardens

Charles Lloyd, The Marvels, Lucinda Williams

Blue Note/Universal 6758848
(74 Min., 4 & 9/2017)

In Charles Lloyds Kindheit – das war zu Beginn der 1950er Jahre – liefen im Radio Jazz, Country Music, Blues und Hillbilly-Songs. Crooner und andere Schlagersänger. Der Saxofonist selbst pflegte Bekanntschaften mit den Jazz-Freigeistern jener Jahre, Don Cherry, Eric Dolphy, Ornette Coleman, Charlie Haden, und spielte unter anderem in der Bluesband von B.B. King. An diese entschwundenen Gärten erinnert das freie, Stilelemente aus vielen Epochen vereinende Titelstück „Vanished Gardens“: Der Achtzigjährige blickt zurück.
Als Gefährten für diese Rückschau hat er seine „Marvels“ um sich geschart: Die einstigen Gitarrenavantgardisten und Progressiv-Country-Freaks Bill Frisell und Greg Leisz an der Steelgitarre sowie die eher im weiten Feld des modernen Jazz aktiven Reuben Rogers am Kontrabass und Eric Harland am Schlagzeug. Als (Dauer-)Gast konnte er für fünf Titel die Country-Sängerin Lucinda Williams gewinnen.
Die Titelfolge lässt jeweils eine Countrynummer mit Williams auf ein Instrumentalstück folgen. Mit kraftvoller, stark nach vorn gemischter Stimme gedenkt Williams in „Dust“ ihres verstorbenen Vaters. Sie berichtet von einem verdorbenen Abend, bittet um die Befreiung aus ihrem Eingeschnürtsein, fordert zur (gesellschaftlichen?) Umkehr auf und träumt schließlich – die einzige Coverversion des Albums – mit Jimi Hendrix‘ „Angel“ vom Aufschweben in den Himmel.
Lloyd erweist sich in diesen Gesangsnummern als aufmerksamer Begleiter. An seine Vergangenheit als Flötist erinnert der „Blues For Langston and LaRue“. In den übrigen vier Instrumentalstücken spielt er die enorme klangliche Bandbreite seines Tenorsaxofons genussvoll aus. Hier zeigt sich – wie schon auf dem Vorgängeralbum „I Long To See You“ die Klasse des Quartetts als Grenzformation zwischen Country und Jazz.

Werner Stiefele, 07.07.2018



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