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Pilgrim

Janne Mark

ACT/Edel 1097352ACT
(44 Min., 5/2017)

Moderne Kirchenmusik genießt einen zwiespältigen Ruf: Was für die einen eine dringend benötigte Blutauffrischung des ewig gleichen Kanons ist, stellt andere vor eine geschmackliche Herausforderung. Manchmal klingen die gut gemeinten Stücke wie etwas, das beim Eurovision Song Contest aussortiert wurde.
Vor diesem Hintergrund muss man großen Respekt vor der Dänin Janne Mark haben. Denn sie singt nicht nur neues geistliches Liedgut mit einer klaren und unbeirrten Stimme, sondern sie schreibt und textet es auch. Und zwar so, dass die sakralen Songs beim Hörer Stille und Einkehr statt Fremdscham auslösen.
Dass eine Auswahl von Marks Liedern nun als Album auf einem Jazz-Label erscheint, hat seinen Grund: Zum einen bewegt sie sich mit ihrer stilistischen Mischung aus nordischen Volksliedeinflüssen, nah am Pop gebauten Melodien und dem dezenten Einsatz einer nach Amerika verweisenden Lap-Steel-Gitarre in exakt jenem Fahrwasser, in das sich auch der skandinavische Jazz von Nils Petter Molvaer bis Tonbruket gerne mal bewegt. Zum anderen hat sie mit dem norwegischen Trompeter Arve Henriksen einen Weltklasse-Individualisten an ihrer Seite, der ihren hauptsächlich in einem Piano-Trio-Kontext dargebotenen Kompositionen mit seinem flötenhaft-flüsternden Ton eine geradezu jenseitige Dimension verleiht. Gelegentlich, etwa im Titelstück „Pilgrim“, klingt Henriksens Spiel gar nach einer Bachtrompete.
Gewiss, auch Marks Kirchenlieder lassen Anleihen an die Pop-Gegenwart erkennen. „Elsket Favnet, Husket Savnet“ zum Beispiel klingt ein wenig nach Coldplay, während „Julen I Hjertet“ auch gut in ein Musical passen könnte. Die Bescheidenheit der beteiligten Musiker, aber auch die unkitschigen Texte (die man im Booklet dankenswerterweise in englischer Übersetzung lesen kann) sorgen dafür, dass auch Atheisten nicht vom Glauben abfallen müssen, wenn sie Janne Marks Gotteslob hören.

Josef Engels, 02.06.2018



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