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Edvard Grieg

Cellosonate a-Moll, Streichquartett g-Moll

Truls Mørk, Håvard Gimse, Sølve Sigerland, Atle Sponberg, Lars Anders Tomter

Virgin Classics/EMI 7243 5 45505 2
(62 Min., 9/2000, 10/2000) 1 CD

Kalt und kantig zeigt sich der Fels auf dem Cover und verspricht Einsamkeit und raue Natur - es geht um Nordisches, Musik von Edvard Grieg. Schlägt man die Seiten auf, sieht man den Komponisten dagegen in seinem von rustikal-hölzerner Gemütlichkeit geprägten Heim. Hier, in seinem Haus in Troldhaugen, heute Edvard-Grieg-Museum, und sogar am Klavier des Komponisten, entstand auch die Aufnahme der Cellosonate.
Truls Mørk am Cello und Håvard Gimse am Klavier gehen aber alles andere als gemütlich-bieder an ihr Werk: Die beiden setzen ihre geradezu sportliche Kraft und Energie in drängende, impulsive Bewegung um. So etwa, wenn die Cellosonate nervös-suchend, fast flüchtig beginnt und von Mørk und Gimse mit genau nachgezeichneter Stimmung erfüllt wird. Dass diese Stimmungen, ähnlich wie der Gegensatz von rauer Natur und trauter Heimeligkeit, stets zwischen jähen Ausbrüchen und lieblichen Momenten schwanken, liegt den Musikern hörbar. Außerdem bietet die Aufnahme mehr ein gleichberechtigtes Duett als ein Solostück für Cello und Begleitung. Das Ergebnis ist mitreißend schöne Kammermusik auf höchstem Niveau.
Das Streichquartett in g-Moll, bei dem sich zu Mørk noch Sølve Sigerland und Atle Sponberg (Violinen) und Lars Anders Tomter (Viola) gesellen, ist ein noch intensiveres Erlebnis. Bei aller Verschnörkelung dieser Musik aus der Zeit des Historismus sind die Linien klar formuliert, bei aller Fülle taucht nie der Eindruck des Übervollen auf. Durch die Kontraste und die Gleichberechtigung auch der dissonanten Stimmen wirkt Griegs Komposition im Gegenteil zeitlos modern.

Matthias Reisner, 16.05.2002



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