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Robert Fuchs

Complete String Quartets

Minguet Quartet

MDG/Naxos MDG 603 2050-2
(122 Min., 9 & 11/2000)

Er war einer jener wackeren Streiter im Musikgeschäft, die stets deutlich mehr als nur solide Leistungen erbracht haben, ohne dabei jedoch vom entscheidenden Funken innovativer Genialität beseelt gewesen zu sein, der ihr Schaffen zu etwas Außergewöhnlichem gemacht hätte: Robert Fuchs wurde 1847 in die bewegte Schlussphase der musikalischen Romantik hineingeboren. Er lebte und arbeitete in Wien, hatte als Kompositionslehrer einige später zu Ruhm gelangte Studenten, wurde u. a. von Johannes Brahms geschätzt und starb 1927 hochbetagt, ohne dass er mit seinem kompositorischen Schaffen nennenswert auf die gewaltigen Umbrüche der Jahrhundertwende reagiert hätte, die im Werk so vieler jüngerer Zeitgenossen tiefe Spuren hinterlassen hat. Seine Musik ist reizvoll und elegant, und sie zeugt von der reichen musikalischen Imaginationskraft ihres Schöpfers, von einer Fülle an Ideen, die ihm ständig durch den Kopf gegangen sein müssen – aber sie blieb ganz und gar Musik des 19. Jahrhunderts, weshalb Fuchsens Stern zu sinken begann, als Brahms und andere Gleichgesinnte gestorben waren. Aus heutiger Perspektive aber können wir seine Werke genießen, wir können sie, wenn wir wollen, einordnen in die bewegte Zeit ihrer Entstehung, ohne dass wir sie dabei (ent)werten müssten. Deshalb ist es großartig, dass das Minguet Quartet im Jahr 2000 sämtliche vier Streichquartette von Robert Fuchs eingespielt hat; nun liegen sie als Doppelbox vor und ermöglichen einen umfassenden Einblick in die Klangwelt ihres Schöpfers. Die Musikerinnen und Musiker des Quartetts nehmen sich dieser Musik mit großer Hingabe an. Sie zelebrieren die Quartette auf der Basis einer bemerkenswerten Ensemble-Qualität mit hervorragendem Gespür für die üppige spätromantische Harmonik und für die ausschweifende Melodik und entlocken den Stücken in den besten Momenten einen Tonfall jugendfrischer Heißblütigkeit, der dem heutigen Hörer nachhaltig klarmacht: Fuchs konnte, auch wenn er in einer stilistisch überaus umtriebigen Zeit gelebt hat, nur so und nicht anders komponieren. Dies ist seine musikalische Sprache, und so präsentiert erscheint sie überaus liebenswert.

Michael Wersin, 13.01.2018



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