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N° 1224
23. - 29.10.2021

nächste Aktualisierung
am 30.10.2021



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Riser

Rob Luft

Edition Records/Membran EDN1095
(49 Min., 1/2017)

Mit einem T-Shirt der New Yorker Noise-Legende Sonic Youth präsentiert sich der junge Engländer Rob Luft auf der Rückseite seines Debüt-Albums. Ein guter Witz: Denn niemand könnte weiter entfernt sein von grindigem Krach und martialischer Saitenquälerei als der 23-jährige Gitarrist, der in der britischen Szene als Wunderkind gefeiert wird.
Luft zeigt sich auf „Riser“ als reifer Komponist und Solist jenseits der Höher-Weiter-Schneller-Lauter-Klischees. Schon die Eröffnungsnummer „Night Songs“ überrascht mit einem deutlich erkennbaren westafrikanischen Touch à la Lionel Loueke, während sie in puncto Songwriting an den Fusionansatz von Antonio Sanchez' Band „Migration“ erinnert. Will heißen: Ein druckvoll prasselndes Schlagzeug (Corrie Dick), ein durchaus nachdenkliches Saxofon (Joe Wright), eine ganze Batterie von akustischen und elektrischen Gitarren bewegen sich mit Hammond (Joe Webb) und Bass (Tom McCredie) leichtfüßig durch eine sinfonisch anmutende Welt am Rande des Jazzrock-Horizonts.
Mit seinem flüssigen, an flinken Akkordbrechungen reichen Spiel hat Luft schon mit 23 zu einem wiedererkennbaren Ton gefunden, der freilich voll von Anspielungen und Verbeugungen vor den großen Kollegen ist. Mal zitiert der Brite die atmende Weite eines Bill Frisell (etwa im Intro von „Different Colours Of Silence“), mal die moderne Konzeption eines Kurt Rosenwinkel (so im Solo auf „Night Songs“), auch Al DiMeola und John McLaughlin meint man gelegentlich heraushören zu können. Größtes Vorbild von Luft aber scheint Pat Metheny zu sein, dessen lichte Freundlichkeit sich wie ein permanenter wärmender Sonnenstrahl über das Album legt – und vor allem über das Titelstück „Riser“.
Luft mischt auch typisch Britisches in seine Songkonstruktionen. Etwa die Reggae-Spuren, die der Londoner Bassist Gary Crosby mit seinem „Jazz Jamaica“-Projekt seit Anfang der 1990er hinterlässt, das psychedelische Raunen der Rave-Bands, aber auch – wie in „Slow Potion“ – ein Hauch von Dire Straits. Der sonische Jüngling im Sonic-Youth-Shirt ist in seinen Vorlieben halt breit aufgestellt. Von dem wird man hoffentlich noch einiges hören.

Josef Engels, 30.09.2017



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