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William Byrd

Consort Music and Songs

bFIVE, Sunhae Im

Coviello/Note 1 COV91725
(64 Min., 8/2016)

William Byrd, der grimmig entschlossene Katholik, der in konfessionell äußerst bewegter Zeit an seiner Denomination festhielt und katholische Kirchenmusik für geheime Privatgottesdienste komponierte – das ist die eine, immer wieder faszinierende Seite des Meisters. Aber es gibt auch einen weltzugewandten, entspannteren Byrd: derjenige der Consort Music und der Consort Songs. Ebendiesen porträtieren auf der vorliegenden CD das Blockflötenensemble bFIVE gemeinsam mit der Sopranistin Sunhae Im. Unter der eingespielten Instrumentalmusik finden sich vier von Byrds „In nomine“-Fantasien; sie gehören zu einer reizenden englischen Tradition der Zeit, innerhalb derer der Cantus firmus des „In Nomine“-Abschnitts aus dem „Benedictus“ der Taverner-Messe „Gloria tibi Trinitas“ als polyphone Bearbeitungen komponiert wurden. Noch weniger streng kommen dagegen die ebenfalls vorgestellte Pavan und Gaillard nebst einigen Fantasien daher.
Ebenso wie diese instrumentalen Consort-Stücke, die gleichfalls von Blockflöten wie auch von Gamben (oder in gemischter Besetzung) gespielt werden konnten, sind auch die Consort Songs Stücke für den Privatgebrauch in Adels- und Bürgerfamilien mit entsprechendem Bildungsniveau. Volkstümliche Texte („My Mistress had a little dog“) stehen neben solchen, die auf antike Sagen Bezug nehmen. Besonders bewegend ist indes Byrds Ode auf den verstorbenen Freund Thomas Tallis, mit der dieses Programm schließt: Sie mündet in die rührende Aussage „Tallis is dead, and Music dies“.
Die fünf bis sechs Blockflöten von bFIVE produzieren naturgemäß einen sehr hellen Sound, klingen sie doch stets eine Oktave höher als notiert. Hierzu passt Sunhae Ims leichte und obertonreiche, mühelos geführte Sopranstimme. Es entsteht ein reiner und klarer, fast ätherischer Klang, an den sich der Hörer dieser CD von Anfang an gewöhnen muss. Freilich hätte die ein oder andere Gambe bei einer „broken consort“-Besetzung etwas mehr Bodenhaftung gebracht. Wen aber die gewisse Diskant-Lastigkeit nicht stört, der wird die herrliche Musik dieses Byrd-Programms vollauf genießen können.

Michael Wersin, 30.09.2017



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