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Morton Feldman

For Bunita Marcus

Marc-André Hamelin

Hyperion/Note 1 CDA68048
(73 Min., 6/2016)

Die Klaviermusik des Amerikaners Morton Feldman und speziell diejenige aus seiner Spätphase kann im Grunde jeder meistern – spieltechnisch sind sie geradezu ein Leichtes, Kinderkram. Ein Tontropfen wird da langsam auf das Notenblatt fallen gelassen, gefolgt oftmals nach einem kurzen Moment der Stille vor dem nächsten. Alles bewegt sich in radikaler Langsamkeit, um selbst die Faszination und Energie des scheinbaren Nichts, Lautlosen einzufangen. Diese musikalische Reduktion auf das Minimalste dürfte denn auch für Marc-André Hamelin völlig neu gewesen sein. Der Kanadier hat sich schließlich bislang eher an manuelles Teufelszeug gehalten und dabei scheinbar Unspielbares mal eben locker aus dem Handgelenk geschüttelt (Stichwort: Alkan, Godowsky, Kapustin). Nun aber hat Hamelin seine erste Feldman-Begegnung hinter sich. Mit der weit über einstündigen Pianissimo-Studie „For Bunita Marcus“, die Feldman 1985 und damit zwei Jahre vor seinem Tod der gleichnamigen Komponistin gewidmet hat. Und natürlich muss dieses Werk Hamelin wie eine musikalische Entschlackungs- und Entschleunigungskur vorgekommen sein. So vorsichtig muss hier, fast mit Glacé-Handschuhen, jede Note angetastet, hin- und hergewendet werden. So ausgedünnt das Notenbild dementsprechend daherkommt, so wird einem bei längerem gebannten Hineinlauschen in diese Aufnahme klar, dass diese Musik doch so gar nichts für Kinder- oder Amateurhände ist. Denn es erfordert schon eine ungeheure Konzentration und innere Gespanntheit, um – wie jetzt Hamelin – der geheimnisvollen Schönheit dieser Komposition so nahe wie möglich zu kommen.

Guido Fischer, 05.08.2017



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