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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

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am 03.12.2022



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Betrieb bereits selbst Familienforschung: Johann Sebastian Bach, Sproß einer großen Musikertradition © Pixabay.com

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Der Bach-Clan

„Wenn es je eine Familie gegeben hat, in welcher eine ausgezeichnete Anlage zu einer und eben derselben Kunst gleichsam erblich zu seyn schien, so war es gewiss die Bachische.“ Mit diesen berühmten Worten hatte der Bach-Biograph Johann Nikolaus Forkel einst noch einmal auf eine Musikerdynastie zurückgeblickt, wie sie es in der Musikgeschichte kein zweites Mal gab. Immerhin weist der Stammbaum der Bachs sage und schreibe 77 Musiker auf. Und allein in Johann Sebastian Bachs Geburtsjahr 1685 waren acht Familienmitglieder als Organisten, Kantoren und Hofmusiker tätig.
Dass man bislang überhaupt einen Überblick von dieser Mega-Familie besitzt, ist tatsächlich dem berühmtesten Bach selbst zu verdanken. 1735 machte sich Johann Sebastian nämlich höchstpersönlich an die durchaus mühsame Arbeit, die alten und weit verzweigten Linien seiner „musicalisch-Bachischen Familie“ zu rekonstruieren. Rund 50 als Komponisten und Stadtmusiker tätige (männliche) Verwandte konnte er in der Familienchronik identifizieren. Wobei das älteste bekannte Familienmitglied sich der Musik eher in der Freizeit gewidmet hat. Es war der aus Ungarn stammende Müller Vitus Bach, der das lautenähnliche Zupfinstrument ‚Cister‘ spielte.
Fast genau drei Jahrhunderte später steht nun die Geschichte der Bachs im Zentrum eines hochdotierten Forschungsprogramms. Wie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern gerade verkünden konnte, ist das geplante „Forschungsportal BACH“ nichts weniger als das „größte geistes- und kulturwissenschaftliche Langfrist-Forschungsprogramm der Bundesrepublik Deutschland“. Angesiedelt und wissenschaftlich geleitet wird dieses auf 25 Jahre angelegte Mammutprojekt am und vom Leipziger Bach-Archiv und damit an der internationalen Bach-Forschungsstelle. Und wie man zusammen mit der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in einer Presseerklärung erläutert, will man nun möglichst alles einsammeln, was mit der Familie Bach – von Stammvater Veit bis zum letzten komponierenden Enkel Johann Sebastian Bachs – zu tun hat. „Seien es Briefe, Anstellungsurkunden, Besoldungsvermerke, Diskussionen mit Zeitgenossen: Erstmals in der Geschichte der Bach-Forschung werden die in Bibliotheken, Archiven und Privatbesitz verstreut überlieferten Materialien in ihrer Gesamtheit zusammengetragen, digital erfasst, nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten erschlossen, kommentiert und gebündelt in einem Online-Portal bereitgestellt.“ Für die entsprechende Dokumentation kommen dabei natürlich nur die neuesten Methoden der digitalen Geisteswissenschaften zum Einsatz. Bereits Anfang 2023 geht die Arbeit los. Und Prof. Dr. Peter Wollny, seines Zeichens Direktor des Bach-Archivs Leipzig und Projektleiter, ist in aller Bescheidenheit guten Mutes, dass man hiermit „der musikwissenschaftlichen Forschung neue Impulse“ geben kann.

Guido Fischer



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