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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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(c) Schott Music/Mélanie Gomez

Münchner Rundfunkorchester

Licht in dunklen Zeiten

Das Münchner Rundfunkorchester und sein Konzertmeister überzeugen mit Kompositionen aus der Feder von Pēteris Vasks.

Die Reihe „Paradisi Gloria“ ist seit Jahren ein Fixpunkt im Terminkalender des Münchner Rundfunkorchesters, das sich hierbei auf Entdeckungsreise durch die zeitgenössische Sakralmusik begibt. Platz haben daneben aber immer wieder auch andere spirituell aufgeladene Werke, wie die Kompositionen des lettischen Komponisten Pēteris Vasks, den man zum Auftakt der neuen Saison erneut in den Fokus rücken wollte. Und auch wenn die Pandemie dem Live-Termin in der Münchner Herz-Jesu-Kirche nun leider einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, lassen sich die Früchte der langen Auseinandersetzung mit Vasks’ hoch emotionaler Musik nun zumindest als Album nachhören. Bereits im Juni war Chefdirigent Ivan Repušić mit seinem Orchester in den Studios des BR zugange, wo unter Einhaltung aller Abstandsregeln gearbeitet wurde. Erschwerte Bedingungen, die man dem fertigen Produkt nicht anhört. Herzstück der Aufnahme ist neben der Streicherkomposition „Viatore“ und der Sinfonie Nr. 1 natürlich vor allem „Tālā gaisma“, zu Deutsch „Fernes Licht“, bei welchem man dem Konzertmeister Stanko Madić als Solist begegnet. Für den serbischen Geiger ist es nicht nur technisch eines der anspruchsvollsten Konzerte, die er in seiner Karriere bislang spielen durfte, weil es dem Interpreten eine große Ausdruckspalette abverlangt. „Beim ersten Kontakt mit den Noten habe ich mich gefragt, was dieser Mann erlebt haben muss, um solch eine Musik zu schreiben. Sie ist sehr düster und schwer.“ Ein Eindruck, der sich im persönlichen Gespräch mit dem Komponisten jedoch etwas relativierte. „Ivan Repušić hat das vermittelt, weil er wollte, dass ich selbst höre, wie Vasks seine Kompositionen beschreibt. Ich habe ihn als einen sehr lebensfreudigen Menschen kennengelernt, der Musik nicht nur intellektuell betrachtet, sondern in ihr etwas sieht, das wir immer in uns tragen.“ Vergleiche mit Arvo Pärt, dem zweiten großen baltischen Komponisten unserer Zeit, liegen hier natürlich auf der Hand. „Beide haben wieder zurück zur Tonalität gefunden. Aber neben vielen Parallelen entdecke ich inzwischen auch große Unterschiede. Vasks empfinde ich mehr volksnah. Seine Musik kann jeder verstehen, der sich darauf einlässt.“ Unterhalten hat er sich mit dem Komponisten vor allem über die virtuosen Kadenzen, die „Tālā gaisma“ durchziehen und bei deren Interpretation viele Wege offenstehen. Ein Umstand, der sich für Madić auch in den bisher existierenden Aufnahmen spiegelt. „Die habe ich aber erst angehört, als wir mit unserer Einspielung fertig waren, um meinen eigenen Weg zu finden. Ich habe vor allem versucht, mit Farben zu spielen und nicht nur in der Lautstärke zu variieren. Vasks hat da viele Freiheiten gelassen und ist so klug, sich nicht festlegen zu lassen. In unserem Gespräch hat er oft gesagt: ‚Ja, das könnte so sein‘. Deshalb haben wir mehrere Varianten aufgenommen und uns hinterher entschieden, welche wir nehmen.“ Ob es bei einem Live-Mitschnitt anders geworden wäre, kann Madić nicht beantworten. „Wahrscheinlich nicht, ich bin mit der CD-Version sehr zufrieden.“

Neu erschienen:

Vasks

Viatore – Distant Light – Voices

mit Madić, Münchner Rundfunkorchester, Repušić

BR-Klassik

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Erscheint im Frühjahr 2021:

Vasks

Musica appassionata, Musica serena, Klātbūtne (Cellokonzert)

mit Sinkevich, Münchner Rundfunkorchester, Repušić

BR-Klassik

Tobias Hell, RONDO Ausgabe 6 / 2020



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