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(c) A. Karnaushenko

Zugabe

Verdi-Primadonna Sondra Radvanovsky, einer der Stars der Metropolitan Opera in New York (in Europa zu wenig bekannt), glaubt an Ehen mit dem eigenen Manager. „Natürlich bedeutet dies, dass man unausgesetzt über den Beruf redet“, räumte Sie in Kanada ein, wo sie lebt. „Wir sagen gern, dass wir erst 20 Jahre zusammen sind, es sich aber anfühlt wie 50.“ Wichtig seien vor allem getrennte Hobbys. „Mein Mann schwärmt für Autos, wir haben sechs davon.“ Nach ihr selbst sei ein Wein benannt, da sie für das Getränk schwärme. „Mein Mann mag die Oper. Aber er liebt mich.“

„Nicht auf der Kippe“ steht nach der Corona-Krise das Vocalconsort Berlin. Das sagte Folkert Uhde, Mitbegründer des renommierten Chor-Kollektivs, in Berlin. Man habe kaum laufende Kosten. „Dagegen sind unsere Sänger ganz entschieden in ihrer Existenz bedroht“, so Uhde. „Sie landen unversehens bei der Grundsicherung.“ Dies dürfte die aktuelle Lage vieler freier Ensembles beschreiben. Sie leben so stark von der Allbereitschaft ihrer freischaffenden Mitglieder, dass sie selbst überleben können. Die Künstler indes stehen rasch am Abgrund.

Mezzo-Sopranistin Denyce Graves (56), eine der großen Carmen-Sängerinnen der 90er-Jahre, hat die eigentümliche Schreibweise ihres Vornamens selbst erfunden. „Ich heiße eigentlich Denise“, so Graves in einem Interview in Deutschland. „Eines Tages sah ich beim Geldabheben bei einem Bankautomaten das Firmenkürzel des New York Currency Exchange: NYCE. Wow, dachte ich, das würde sich gut in meinem Namen machen ...“ Sie hat sich sozusagen ein Dollar-Zeichen in den eigenen Namen geholt. „Es sollte Wohlstand ausdrücken.“ Denn: „Wir waren arm“, so Denyce Graves. „Ich wuchs in einem nicht eben privilegierten Viertel Washingtons auf.“ Heute tritt sie in meist kleineren Rollen auf. Aber an großen Häusern wie der Met.

Eike Wilm Schulte, formidabler Wagner-Sänger und Telramund in Bayreuth, schwört auf die Vorzüge des Winzertums. „Ich mache Rheingauer Riesling, einen sehr guten“, verriet er in Berlin. „Austrinken kann ich die 3000 Flaschen nicht.“ Er könne, wie er glaube, auch heute noch, mit über 80 Jahren, den Telramund im „Lohengrin“ singen. „Nur Aufhören kann ich nicht.“

Nikolaus Bachler, Noch-Intendant der Bayerischen Staatsoper, glaubt nicht, dass die Spielzeit post coronam losgehen kann wie geplant. „Wir hatten zum Beispiel für Mitte September eine Elektra angesetzt. Kein Kinderspiel“, sagte er in München. „Unser Glück ist, dass wir 60 bis 70 Opern auf Vorrat haben. Wenn jetzt wieder mehr Rossini, mehr Belcanto-Opern, auch mehr Mozart gespielt wird, so finde ich das nicht nachteilig.“ Angesprochen auf den Ärger, den er schon vor seinem Neuanfang bei den Salzburger Osterfestspielen mit dem dort präsenten Christian Thielemann bekam, sagte er salomonisch: „Man sieht etwaigen Ärger vielleicht kommen. Aber man macht es trotzdem.“

Josephine Barstow (79), Karajans letzte Sopranistin in Verdis „Un ballo in maschera“, kann das arrogante Image, das Karajan nachgesagt wird, nicht verstehen. „Einmal schickte er mir seinen Wagen, der mich in die Salzburger Berge bringen sollte – einfach so. Ich sollte einen Begriff von der Schönheit der Landschaft bekommen. So war Karajan!“, sagt Barstow an ihrem Wohnsitz in England. „Dame Jo“, wie ihre Freunde die von der Queen geadelte Sängerin nennen, tritt immer noch auf, und wohnt im Übrigen auf ihrem Hof in Sussex – mit Enten, Schweinen und anderen Tieren. „Geld habe ich für die Tiere immer nur ausgegeben, nie eingenommen.“ Für Gelderwerb sei ihr Beruf dagewesen.

Pianist Igor Levit hat bei seinem 15 ½-stündigen Streaming-Marathon mit Erik Saties „Vexations“ angeblich nicht einen Augenblick lang an Abbruch gedacht. Das sagte er kurz nach dem letzten Ton der 840 Wiederholungen des Stücks. Levit war der Erste, dem die ungekürzte und ununterbrochene Aufführung gelang. Nötig waren lediglich zehn Pipi-Pausen.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2020



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