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(c) Don Hunstein

Vladimir Horowitz

„It sounds very beautiful!“

Nach 12 Jahren Pause gab Jahrhundertpianist Vladimir Horowitz 1965 endlich wieder ein Konzert. Eine materialreiche CD-Box „erzählt“ von diesem Comeback.

Was machte ein Vladimir Horowitz, um sich und seinen Flügel in Stimmung zu bringen? Er legte einfach los und improvisierte. So am 7. Januar 1965, als er gegen Mittag erstmals seit seinen letzten Aufnahmen im Jahr 1959 wieder das Podium der New Yorker Carnegie Hall betrat. Alles war für die Probenmitschnitte vorbereitet. Und auch einen neuen Flügel hatte sich Horowitz aus dem Hause Steinway kommen lassen. Nun begann er zu fantasieren und streute dabei, in diesem Mix aus herrlich perlenden Läufen, imposanten Akkordgebirgen und zartem Melodienwerk, kleine Chopin- und Schumann-Reminiszenzen ein. Oftmals für Minuten versank Horowitz so in seiner eigenen Klanggedankenwelt – um sich zwischendurch immer wieder, mit seinem typisch verschmitzt anmutenden Tonfall, mit Produzent Thomas Frost auszutauschen. Schon diese Proben-Mitschnitte gehören zu den Bonbons einer umfangreichen CD-Dokumentation des vielleicht berühmtesten Comebacks, das ein Klassikkünstler im 20. Jahrhundert feiern konnte.
Am 9. Mai 1965 nachmittags sollte Horowitz nach einer 12-jährigen Auszeit, in der er eine schwere Depression kurieren musste, endlich wieder ein Konzert geben. Der Ort war für ihn quasi naturgegeben. In der Carnegie Hall hatte er 1928 im Alter von 25 Jahren sein Debüt gegeben, mit Tschaikowskis 1. Klavierkonzert. Hier hatte er 1953 auch sein vorerst letztes Konzert gegeben. Als nun der offizielle Ticketverkauf am 26. April 1965 um 10 Uhr begann, hatten Horowitz-Fans bereits eine ganze Nacht vor dem Schalter ausgeharrt. Auch davon erzählen die vielen, zum Teil unveröffentlichten Schwarz-Weiß-Fotos in dem Hardcover- Buch zur CD-Box „Vladimir Horowitz: The Great Comeback“, die auf 15 CDs anhand erstmals veröffentlichter Probenmitschnitte und Privatkonzerte Horowitz´ Vorbereitungen auf dieses Konzertereignis lebendig werden lässt. Die Proben zu seinem Konzert am 17. April 1966 sind hier ebenso zum ersten Mal zu hören wie das legendäre, vor Studenten gespielte „Blackout Concert“, bei dem am 9. November 1965 Pianist und Publikum wegen eines Stromausfalls plötzlich im Dunkeln saßen.
Besonders die vier kompletten Probensitzungen, in denen sich der gebürtige Ukrainer Horowitz auf den 9. Mai 1965 vorbereitete, sind nicht allein für eingefleischte Horowitz- Aficionados eine Fundgrube. Auch diejenigen, die das Phänomen „Horowitz“ noch näher kennenlernen wollen, kommen hier voll auf ihre Kosten. Schließlich wird man zum faszinierten Ohrenzeugen der ständigen Fein- und Neujustierung des Carnegie-Programms. Dem Feierlichen in Bachs „Toccata, Adagio & Fuge“ entlockt er auch über die Tempi unterschiedlichste Ausdrucksstufen. Bei Schumanns Fantasie zeigt Horowitz, dass bei ihm selbst jeder manuelle Missgriff mehr Gehalt besitzt als jede noch so perfekte Interpretation. Und noch bei später verworfenen Stücken, wie bei Chopins Nocturne f-Moll op. 55/1, lauscht man Horowitz bisweilen amüsiert – wie er erst auf Französisch und dann auf Russisch auf einen Einwurf seiner gestrengen Gattin und Kritikerin Wanda reagiert.

Neu erschienen:

The Great Comeback (15 CDs)

Vladimir Horowitz

Sony

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 4 / 2019



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