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(c) Kaupo Kikkas
Obwohl der Terminkalender längst rappelvoll ist und man regelmäßig Konzerte auch in Übersee gibt, scheinen die vier Mitglieder des Schumann Quartetts einfach immun gegen jede Form von Stress zu sein. Jedoch strahlen die drei Namenspatrone, die Brüder Erik, Ken und Mark Schumann, eine unverminderte Jugendlichkeit aus, die das wahre Alter der Musiker nicht erahnen lässt. Denn inzwischen sind alle über dreißig – wobei Primgeiger Erik mit seinen 37 Jahren nicht nur der Oldie des Quartetts, sondern inzwischen auch noch Professor an der Frankfurter Musikhochschule ist. Hört man sich dann aber noch einmal die allererste CD des Schumann Quartetts an, die 2012 in neuer und bis heute aktueller Besetzung mit Bratscherin Liisa Randalu entstand, ist man erneut verblüfft, wie großmeisterlich kühn und kraftvoll sich dieses junge Team schon damals dem riesigen Quartetthochgebirge mit den drei ‚B‘-Gipfeln stellte, Beethoven, Brahms und Bartók.
Mit dieser diskografischen Visitenkarte hatte das aus dem Rheinland stammende und vom Alban Berg Quartett-Primarius Günter Pichler feingeschliffene Schumann Quartett die Messlatte für alle weiteren Projekte ziemlich hoch gelegt. Und sollte sie dennoch mit jeder weiteren Aufnahme noch ein kleines Stückchen weiter nach oben verschieben. Wobei man sich durchaus über die Schlagzahl wundern kann, mit der das mit zahlreichen Konzertreihen und Residenzen gewürdigte Quartett seinen facettenreich gestalteten CD-Output vorantreibt. 2017 schlug man auf „Landscape“ den Bogen von Haydn bis Arvo Pärt. 2018 folgte mit „Intermezzo“ eine Hommage an Robert Schumann, ergänzt auch um Werke des Schumann- Bewunderers Aribert Reimann.
Und nun ist quasi der dritte und letzte Teil einer Aufnahme-Trilogie erschienen, für den man den musikalischen Radius noch einmal kräftig erweitert hat. So bilden von Mozart bearbeitete Bach-Fugen eine Art roten Faden durch das Programm, bei dem Raritäten etwa von Schostakowitsch neben Leoš Janáčeks epochalem 2. Streichquartett stehen. Auf das sich schlingpflanzenartig ausbreitende 2. Streichquartett des amerikanischen Minimal Music- Helden Philip Glass folgen die extrem verdichteten „Sechs Bagatellen“ von Anton Webern. Gegensätzlicher lässt sich das kaum anlegen – dieses Spiel zwischen radikaler Konstruktion und soghaftem Flow, zwischen der kargen Miniatur und dem großen Quartett-Drama. Dem dann das Arrangement eines „Wiegenlieds“ aus der Feder George Gershwins folgt.
Aber gerade in dem auf den ersten Blick unvereinbar Scheinenden lag für die Musiker der eigentliche Reiz. In Anlehnung an die in der Malerei mit dem Begriff „Chiaroscuro“ gefassten Hell-Dunkel-Kontraste bzw. Licht-und- Schatten-Effekte hat man Komponisten ausgesucht, die in ihrer eigenen Klangwelt zu Hause und auch im Ausdruck ganz unterschiedlich sind. Dennoch kann gerade aus diesen Klangkontrasten ein großes sinnliches Erlebnis und auch Vergnügen entstehen. Aber eben nur, wenn man, wie das Schumann Quartett betont, das mit „Chiaroscuro“ betitelte Album „von vorne bis hinten ohne Pause anhört“. Tatsächlich: Es lohnt sich.
Berlin Classics/Edel
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