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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Keine "Spitzen"-Kandidatin: Sasha Waltz (c) André Rival/www.sashawaltz.de

Pasticcio

Aufbruch oder Bruchlandung?

„Die Ernennung ist leider zu vergleichen mit der Ernennung eines Tennis-Trainers zu einem Fußball-Trainer oder eines Kunstmuseumsdirektors zu einem Chefdirigenten.“ Mit solchen und ähnlichen, nicht unbedingt diplomatisch formulierten Einschätzungen hat das Berliner Staatsballett über eine Online-Petition für einiges Aufsehen gesorgt. Zur neuen Co-Leiterin der Compagnie hat nämlich Berlins OB und Kultursenator Michael Müller die international berühmte Tanzchoreografin Sasha Waltz gekürt. Eine Entscheidung, die die Tänzer und Tänzerinnen ziemlich auf die Barrikaden gebracht hat. In ihren Augen ist Waltz die denkbar schlechteste Wahl, da sie für eine Tanzästhetik steht, die man am Berliner Haus so gar nicht pflegt. Klassisch, traditionell – so mag man es hier nämlich. Oder wie es Elinor Jagodnik, Vorstandsmitglied des Balletts, nun auf den Punkt gebracht hat: „Wir lernen von klein auf, wie man auf Spitzschuhen tanzt oder Pirouetten dreht.“
Nichts gegen die hohe Kunst des Tanz-Einmaleins. Aber damit lässt sich heute wohl nur noch in der Provinz ein Blumentopf gewinnen. Und dass man sich in Berlin unter der aktuellen Leitung des Spaniers Nacho Duato per Spitzenschuh auch zu einem international gefragten Spitzenballett hinaufgeschraubt hätte, kann man wohl kaum behaupten. Für frischen Schwung und entsprechendes Renommee soll daher nach Meinung der Berliner Kulturspitze eben Sasha Waltz sorgen. Wobei sich Michael Müller und sein Kultursekretär durchaus eine geschickte Lösung des Problems ausgedacht haben. Denn Waltz soll den Laden nicht allein auf Vordermann bringen, sondern in Zusammenarbeit mit Johannes Öhmann, seines Zeichens Direktor des Royal Swedish Ballet und nicht zuletzt Verfechter einer auch konservativen Ballettphilosophie. Diese interessante, ja vielversprechende Doppelspitze bzw. Mischung soll es also ab der Spielzeit 2019/20 machen. Bis spätestens dahin werden sich die Gemüter des Berliner Staatsballetts auch sicher wieder beruhigt haben.

Guido Fischer



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