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Musik-Krimi

Folge 24: Ein Killer auf Bachs Spuren

Dieser Mann soll ein Killer sein?“ Doktor Stradivari sah durch die Glasscheibe ins Vernehmungszimmer. Der Wartende trug einen teuren Anzug mit Krawatte und Einstecktuch in derselben Farbe, außerdem kostspielige Schuhe und eine goldene Uhr. „Das ist Magnus von Gier“, sagte Hauptkommissar Reuter. „Einer der bestbezahlten Auftragsmörder Europas. Am 2. November wurde in Düsseldorf ein Drogenboss erschossen. Wir glauben, dass von Gier der Mörder war, aber er redet sich heraus.“
Sie betraten den Raum. Der Mann stand auf, als er sich Dr. Stradivari vorstellte. „Ich hoffe, Sie werden verstehen, warum ich nicht der Täter sein kann. Dem Herrn Kommissar kann ich es nicht begreiflich machen.“ „Wir hören“, sagte Reuter.
„Ich bin sehr kulturbegeistert“, begann von Gier. „Vor kurzem erhielt ich diese hervorragende CD-Box mit den Werken des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel. Ich habe die CDs stets im Wechsler meines Jaguars. Es ist unmöglich, sich an dieser mitreißenden Musik sattzuhören – all diese Sonaten, Konzerte, Sinfonien … Ich hatte Ende Oktober in Kiel zu tun. Beruflich.“ Er räusperte sich. „Beschwingt von der Musik fuhr ich danach nach Hamburg, um das ‚KomponistenQuartier‘ zu besuchen.“ „Ein Museum, das sich unter anderem dem Bach-Sohn widmet“, warf Stradivari ein.
„Ich wollte mehr über den Mann erfahren, der zwanzig Jahre in Hamburg lebte. Ich besuchte das Museum am 1.11. Am 2. fuhr ich nach Weimar. Ein weiter Weg, aber ich hatte ja die herrlichen CDs.“
„Wollten Sie ins Goethehaus?“, fragte Reuter. „Nein, mein Ziel war das Geburtshaus von Carl Philipp Emanuel Bach. Am Markt. Gut, es ist kein Museum, sondern Privatbesitz, aber schon der Anblick der hohen Fassade, vor der man sich ebenso klein fühlt wie vor der großen Musik, kann einem empfindsamen und fantasiebegabten Menschen wie mir viel von den Zeiten nahebringen, in denen die erhabenen Meister gelebt haben. Ich kann mich in einen solchen Anblick vollkommen versenken, sodass … “
„Sie waren also angeblich am Tag des Mordes in Weimar“, unterbrach Reuter den exaltierten Ausbruch. „Wo haben Sie in Hamburg übernachtet?“ „In meiner Wohnung natürlich. Ich besitze in vielen Städten Immobilien. Auch in Erfurt. Dort war ich in der zweiten Nacht. Allein. Zeugin ist allein meine Musikbegeisterung.“ Reuter und der Doktor gingen nach nebenan, wo der Kommissar im Internet die Öffnungstage des „KomponistenQuartiers“ prüfte. Er fand auch das Foto einer Bach- Gedenktafel in Weimar, die an einer altertümlichen Fassade am Markt angebracht war. Der Text wies auf Carl Philipp Emanuel Bachs Geburt an dieser Stelle hin.
„Wir kommen nicht weiter“, meinte er resigniert. „Ich denke doch “, sagte der Doktor. „Die Geschichte stimmt nämlich nicht.“

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Auflösung aus Magazin 5/2016:

„Spanische Trompeten“ für den Habsburger-Kaiser, und das im protestantischen Dresden: Unter August dem Starken, der für die polnische Königskrone zum Katholizismus konvertierte und seinen Sohn mit der Wiener Kaisertochter verheiratete, war das kein Problem. Einen Fehler hat der junge Herr Baumann in seiner Geschichte vom Diebstahl dennoch gemacht: Bei den angeblich davongetragenen Spanischen Trompeten handelt es sich aber um ein Orgelregister, nicht um die Blasinstrumente in Caldaras Sinfonia. Das Alibi ist glatt erlogen.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 6 / 2016



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