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18. — 24. Februar 2017

Stars and Styles

Aus Amerika hört man in letzter Zeit ja eher verstörende Töne. Wer aber die USA mal wieder von ihrer sinnlichen, kultivierten und unterhaltsamen Seite erleben möchte, der ist beim „Festival USA“ im Berliner Konzerthaus richtig. Zehn Tage lang wird bei diesem Schwerpunkt-Festival die Frage gestellt: Was ist amerikanische Musik? Und auf vielfältige Weise beantwortet: Broadway-Klänge, Filmmusik und Jazz, aber auch Minimal Music und andere zeitgenössische „klassische“ Musik kann man hier vom 16. bis 26. Februar erleben. Bespielt werden diverse Räume des Konzerthauses am Gendarmenmarkt und das zu allen möglichen Uhrzeiten. Das Eröffnungskonzert am letzten Donnerstag bestritten Wayne Marshall und Kim Criswell. In den nächsten Tagen werden aber auch andere spannende musikalische Gäste (nicht nur) aus den USA erwartet, u.a. Dee Dee Bridgewater, Frank Zappa mit dem Ensemble Modern und der Pianist Vikingur Olafsson mit einer Hommage an Philip Glass.

Alle Konzerte und weitere Informationen zum Festival gibt es auf www.konzerthaus.de.

(Fotos vom Eröffnungskonzert: Uwe Arens)


11. — 17. Februar 2017

Musikraumkunst

Nur ein Monat ist vergangen seit der Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie, und schon wird der Bau zum Ausgangspunkt der künstlerischen Reflexion. Die Hamburger Deichtorhallen haben in Kooperation mit dem Architekturbüro Herzog & de Meuron, das die Elbphilharmonie konzipierte, und HamburgMusik gGmbh eine Ausstellung organisiert, in der ganz unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler eingeladen wurden, die Architektur in ihren Werken zu reflektieren, und dies durchaus auch kritisch. Interessant, zu was für Assoziationen der eigenwillige Musiktempel die Künstler inspiriert hat: zum „Spinnenkonzert“ etwa („Arachno Concert“ von Tomás Saraceno). Baltic Raw Org steuerte eine „Kanalphilharmonie“ bei, Peter Buggenhout eine eigenwillige Installation. Musik-Architektur trifft auf Kunst und schafft Diskurs.
Die Ausstellung wurde am 10. Februar eröffnet und geht bis zum 1. Mai in der Halle für aktuelle Kunst in den Deichtorhallen Hamburg. Weitere Informationen gibt es auf www.deichtorhallen.de.

(Fotos: Andrea Rossetti, Peter Buggenhout, Baltic Raw Org)


04. — 10. Februar 2017

Herzensverbrechen

Was für eine finstere Welt! Bei seiner Neuinszenierung von Mozarts „Don Giovanni“ am Theater Basel, einer Koproduktion mit der English National Opera in London, kundet Richard Jones die Abgründe des Herzensverbrechers aus und lässt die Schwärze seiner Seele sich auch optisch auf der Bühne spiegeln. So wird Don Giovanni, bei Mozart und Da Ponte ein Lebemann, der keinen körperlichen Genüssen abgeneigt, in seiner Doppelbödigkeit als Charmeur und Scharlatan gnadenlos demaskiert. Denn der ewige Egoist Don Giovanni hinterlässt auf seinem Weg viele Enttäuschte und Verletzt. Moral? Die kümmert ihn wenig. Das Böse dieser Figur, der destruktive Hedonismus, der den Verführer treibt, steht so im Mittelpunkt der Basler Inszenierung. Und wieder einmal zeigt sich dabei, wie zeitlos „Don Giovanni“ ist in Bezug auf die Themen, von der diese Oper handelt – Werte, Moral, Verantwortung. Es ist ein Werk, das immer wieder aufs Neue die Frage stellt: In welcher Welt wollen wir leben? Und die ist so aktuell wie nie.
Noch bis 13. Mai am Theater Basel.

(Fotos: Priska Ketterer/Theater Basel)


28. Januar — 03. Februar 2017

„Werk-Festival“

Was für ein Luxus! Eine ganze Woche lang widmet sich das noch junge Kammermusikfest „Beethoven-Woche“ (gegründet 2014) Ende Januar jährlich einer Schlüsselkomposition von Beethoven. Und setzt diese in spannende Beziehungsfelder zur Musik bis ins 21. Jahrhundert. Künstlerische Leiterin dieses kleinen, aber feinen Festivals ist Bratschistin Tabea Zimmermann, die natürlich auch selbst zu hören ist. Mit dem Kammermusikfest knüpft man im Bonner Beethoven-Haus an eine alte Tradition an: Schon ab 1890 stand hier die Kammermusik im Rahmen von Musikfesten im Fokus. Damals initiiert und geleitet vom berühmten Geiger Joseph Joachim. Beim diesjährigen Festival vom 20.-29. Januar musizierten ebenfalls renommierte Musiker im Kammermusiksaal des Bonner Beethovenhauses: u.a. Alexander Melnikov (an einem Pianoforte von 1835), das Quatuor Strada, Barockgeigerin Amandine Beyer und „Gli Incogniti“, Meta4 und Tabea Zimmermann mit den Jungen Solisten der Kronberg Academy. Zum Abschluss am 29. Januar nimmt noch ein „Quartett der Kritiker“ das Werk im Rampenlicht fachmännisch auseinander. Mehr Aufmerksamkeit hat Beethovens Hammerklavier-Sonate op. 106 wohl noch nie erfahren.

(Foto: Beethoven-Haus Bonn)


21. — 27. Januar 2017

Kulissenzauber

René Jacobs ist mit seiner Akademie für Alte Musik Berlin derzeit mal wieder an der Berliner Staatsoper für eine vielbeachtete Barock-Produktion zu Gast. Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch machen hier aus Purcells Semi-Oper „King Arthur“ ein Märchen-Wunderland: Riesen und Puppen, Könige, Zauberer, Geister und andere Fabelwesen tummeln sich während der 3 ½-Stunden-Produktion auf der Bühne, Seite an Seite mit Menschen aus dem 20. Jahrhundert. Denn die alte Sagen-Geschichte wird durch eine Rahmenhandlung „aktualisiert“: Ein Großvater erzählt seinem Enkel von Großbritanniens Mythen, drum rum gibt’s auch hier Konflikte, Binnenstories, verstörende Träume und ein schales Happy End. Ein Flickenteppich aus Schauspiel- und Opernszenen, der durchaus seine kurzweiligen Stellen hat, schließlich wurde viel aufgeboten auch an Bühnen-„Zauberei“. Doch aus dem eigentlichen Drama wird man als Zuschauer immer wieder herauskatapultiert – durch ironische Brechungen im Text und indem sich die Inszenierung zum Teil selbst demaskiert: als Spiel in und mit prachtvollen Kulissen. Eine bemerkenswerte Produktion, die sich einer eindeutigen Lesart verschließt, und das Herz dann doch vor allem durch die berührenden Klänge des erstklassigen Barock-Ensembles und der handverlesenen Sänger anspricht.

Anna Vogt

Noch bis 22. Januar an der Staatsoper Berlin, am 21. Januar im Live-Stream auf staatsoper-berlin.de.

(Fotos: Ruth Walz/Staatsoper Berlin)


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