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21. — 27. Oktober 2017

70 wilde Jahre

Erlebt hat die Komische Oper Berlin in ihren 70 Jahren viel, altersmüde wirkt sie heute – unter der erfolgreichen Intendanz von Barrie Kosky – kein Stück. Im Gegenteil: Die Komische Oper Berlin macht vor, wie man die Oper und vor allem auch Operette von ihrem Staub und ihren Imageproblemen befreien kann. Und sie zeigt, wie man mit einem eher kleinen Haus und weitgehend mit dem eigenen, spielfreudigen Ensemble von Barock bis Zeitgenössisches auf unterhaltsame Art einem Publikum nahebringt, ohne am Niveau zu sparen. Dass man an einem solchen Haus richtig zu feiern weiß, versteht sich von selbst. Und so hat die Komische Oper in Berlin Mitte für die Jubiläums-Saison einiges geplant: Am 15. Oktober startete man die Geburtstags-Feierlichkeiten mit einer digitalen Ausstellung, die jeder auf der Homepage der Komischen Oper besuchen kann. Sie zeigt eine Chronologie der bewegten letzten 70 Jahre, entstanden in Kooperation mit der Uni und FH Potsdam. Im Mittelpunkt werden dann aber vor allem zwei Jubiläums-Produktionen von Werken stehen, die in der Regie von Walter Felsenstein einst große Erfolge feierten: Das Musical „Anatevka“ (Premiere am 3.12.) und Offenbachs Opéra bouffe „Ritter Blaubart“ (Premiere am 17.3.). Barrie Kosky selbst wird „Anatevka“ inszenieren, während er Stefan Herheim für „Ritter Blaubart“ holt. Rund um die Premieren gibt es eine offizielle Geburtstagsparty, Podiumsdiskussionen und Künstlergespräche – schließlich kann man über Kunst hervorragend streiten und sich dabei bestens amüsieren. Happy Birthday, Komische Oper Berlin!

(Fotos: Iko Freese/drama-berlin.de)


14. — 20. Oktober 2017

Neu!

Im Herbst wird der Name „Donaueschingen“ zum Synonym für „Neue Musik“, wenn jährlich die ganze Szene zusammenkommt zum ältesten und traditionsreichsten Festival für Neue Musik weltweit. Auch in diesem Jahr sind im Verlauf des Festival-Wochenendes (19.-21. Oktober) ganze 20 Uraufführungen geplant, u.a. von Bernhard Lang, Thomas Meadowcroft und Andreas Dohmen, dazu Installationen und Diskussionen. Die kleine Stadt in Baden-Württemberg hat im Verlauf der Jahrzehnte Musikgeschichte geschrieben, denn seit der Gründung des Festivals im Jahr 1921 fanden hier bereits Uraufführungen von u.a. Berg, Schönberg und Webern statt, aber auch von Cage, Kagel und Schnebel. Auch in diesem Jahr werden zum Festival-Wochenende wieder etwa 10.000 Besucher erwartet, die das Neueste aus der „klassischen“ Musik erleben wollen. Das Eröffnungs- und das Abschlusskonzert überträgt der SWR im Livestream auf SWRClassic.de.

(Fotos: www.swr.de/swr-classic/donaueschinger-musiktage)


07. — 13. Oktober 2017

Ausgezeichnet

Preise leben von ihrem Prestige. Für Opernhäuser ist die Auszeichnung „Opernhaus des Jahres“, die die Zeitschrift „Opernwelt“ jährlich vergibt, eine sehr begehrte Trophäe. Nun hat erstmals ein Haus aus Frankreich das Rennen gemacht: Die 50 Kritiker aus Europa und USA kürten die Opéra de Lyon zum besten Opernhaus der vergangenen Saison – wegen der mutigen und experimentierfreudigen Produktionsplanung des Intendanten Serge Dorny und wegen der hervorragenden künstlerischen Leistung des Ensembles. Aber auch alte Bekannte wurden wieder mit Auszeichnungen bedacht: Sopranistin Anja Harteros hat bereits 2009 den Titel als „Beste Sängerin“ einheimsen dürfen und kann diesen Erfolg jetzt wiederholen. Ihr Kollege, der Tenor Matthias Klink, wurde als „Sänger des Jahres“ ausgewählt, der Chor der Stuttgarter Oper darf sich bereits zum siebten Mal über den Titel „Chor des Jahres“ freuen. Dass das Bayerische Staatsorchester mit Chefdirigent Kirill Petrenko bereits zum vierten Mal nacheinander zum „Orchester des Jahres“ gewählte wurde, dürfte niemanden verwundern. Als beste Uraufführung wurde das experimentelle Musiktheater „Infinite Now“ von Chaya Czernowin aus Israel geehrt. Dmitri Tcherniakov konnte sich als „Regisseur des Jahres“ durchsetzen – für seine Inszenierung von Bizets „Carmen“ beim Festival in Aix-en-Provence. Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!

(Foto von Anja Harteros an der Bayerischen Staatsoper: Wilfried Hösl)


30. September — 06. Oktober 2017

NORDLICHT

Selten kann man den Orchesternachwuchs hierzulande auf höherem Niveau erleben als bei den Konzerten der Jungen Deutschen Philharmonie. Davon konnte man sich in diesen Tagen mal wieder überzeugen, denn nach einer Probenphase in Sondershausen tourte das Orchester unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste durch Deutschland (von Wilhelmshaven über Berlin bis Hannover) und wird abschließend am 3. Oktober ein Gastspiel in Bratislava geben. Die diesjährige Proben- und Konzertphase stand dabei unter dem Titel „NORDLICHT“ – denn programmatisch ging es in den hohen Norden. Bei der atmosphärischen Orchesterkomposition „Laterna Magica“ der finnischen Komponisten Kaija Saariaho, bei Sergei Prokofjews 3. Klavierkonzert (mit Solist Tzimon Barto bzw. in Berlin Nikolai Lugansky) und abschließend Carl Nielsens 4. Sinfonie („Die Unauslöschliche“) wurden alle Stimmgruppen des riesigen Klangkörpers zu Höchstleistungen angespornt. Saariahos Komposition wurde von einer Licht-Installation (Matthias Rieker) um zusätzliche atmosphärische Dimensionen ergänzt. Gleich nach der Tournee, am 13. Oktober, erscheint zudem die neue CD der Jungen Deutschen Philharmonie im Handel: „Abgesang“, mit Werken von Ravel und Schostakowitsch, dem Programm der vergangenen Frühjahrsarbeitsphase unter der Leitung von Jonathan Nott. Mitgeschnitten wurde bei einem Konzert in der Berliner Philharmonie: eine schöne Dokumentation der intensiven Arbeit dieses jungen Ausnahme-Orchesters.

(Foto der Jungen Deutschen Philharmonie: Achim Reissner)


23. — 29. September 2017

Vorhang auf!

Die neue Saison steht in den Startlöchern! Nach sechs wohlverdienten Wochen Saisonpause sind die Opernmacher zurück und bereiten fieberhaft die ersten Produktionen vor. Vereinzelt wurde schon Premiere gefeiert, in Basel etwa mit einer der unbekannteren Mozart-Opern („Lucio Silla“), mit Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ in Bremen und dem „Fliegenden Holländer“ in Darmstadt. Beim Durchblättern der Saison-Broschüren begegnen einem für die Spielzeit 2017/18 viele alte Bekannte – aber zum Glück nicht nur. Hoch im Kurs steht in der beginnenden Saison vor allem Mozarts „Don Giovanni“, der im RONDO-Premierenkalender gleich 10 Mal zu finden ist, die „Zauberflöte“ schafft es immerhin auf sieben Einträge, und Bizets „Carmen“ bringen fünf Häuser neu heraus. Unter den Operetten scheint Strauß´ „Eine Nacht in Venedig“ besonders beliebt zu sein (4 Neuproduktionen!). Mit Spannung darf man aber vor allem zahlreiche Premieren von bislang weitgehend unbekannten Werken erwarten, und das auch und gerade an kleinen Häusern: zum Beispiel die im KZ verfasste Kinderoper „Brundibár“ von Hans Krása (am Landestheater Linz), „Der Goldkäfer“ von Dai Fujikura am Theater Basel, Othmar Schoecks „Penthesilea“ am Opernhaus Bonn, Heinrich Marschners „Hans Heilig“ in Essen oder George Enescus „Oedipe“ in Gera. Vorhang auf für eine hoffentlich spannende, diskussionswürdige, lebendige Opernsaison 2017/18!

Alle Premierentermine finden Sie gesammelt unter Termine.

(Fotos von der „Lady Macbeth“ am Theater Bremen: Jörg Landsberg)


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