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19. — 25. August 2017

„Young Euro Classic“

Jedes Jahr im Hochsommer öffnet das Konzerthaus Berlin seine Pforten für einen Konzertreigen der besonderen Art: Beim Musik Festival „Young Euro Classic“ präsentieren sich innerhalb von gut zwei Wochen einige der weltweit besten Nachwuchs-Orchester. Dieses Jahr vom 17. August bis zum 3. September sind unter anderem das Gustav Mahler Jugendorchester mit dabei (31. August), die Baltic Sea Philharmonic (25.8.), das Schwedische O/Modernt Kammarorkester (21.8.) und das I, Culture Orchestra (23.8.). Die Ehre geben sich auch (wie schon des Öfteren) das Schleswig-Holstein Festival Orchester (18.8.) und das Bundesjugendorchester (20.8.) sowie das Bundesjugendballett (19.8.). Außerdem sind junge Musiker aus Kuba mit dabei: Die erste Tour der seit 2014 bestehenden Cuba-European Youth Academy führt die jungen Musiker nach Berlin zu Young Euro Classic, wo sie am 3. September das Festival abschließen werden.
Mehr Informationen und Tickets gibt es auf www.young-euro-classic.de.

(Foto Schleswig-Holstein Festival Orchester: Axel Nickolaus)


12. — 18. August 2017

Moritzburg Festival

Der August steht in Moritzburg, aber natürlich auch in Dresden ganz im Zeichen des Moritzburg Festivals. Vom 5. bis 20. August sind unter der bewährten Leitung von Cellist Jan Vogler nicht nur das Moritzburg Festival Orchester am Musizieren, sondern auch zahlreiche Musiker aus dem In- und Ausland, die sich in diversen Kammermusikformationen zusammen finden. Seit nunmehr 25 Jahren versteht sich das Moritzburg Festival als Labor und Experimentierzone für musikalische Mixturen jeder Art. 1993 wurde es von Jan Vogler, Kai Vogler und Peter Bruns nach dem Vorbild des US-amerikanischen „Marlboro Festivals“ gegründet. Seitdem sind hier Klassisches und Zeitgenössisches ebenbürtig vertreten, und ein besonderer Fokus liegt auf der Nachwuchsförderung. Denn mit einer Festivaleigenen Akademie kommen junge Musik-Profis in einem Kammermusikensemble zusammen, das Enthusiasmus mit Perfektion verbinden will. Auch einen Composer In Residence gönnt man sich, in diesem Jahr ist es Sven Helbig, dessen Werke derzeit einen besonderen Rang im Festivalprogramm einnehmen und der auch in Komponistengesprächen mit Jan Vogler aus seiner Werkstatt berichtet. Happy Birthday, Moritzburg Festival!

(Fotos: Rene Gaens, Felix Broede)


05. — 11. August 2017

Entschärfte Brutalität

Vor einer Woche überzeugte der Auftakt der Salzburger Festspiele mit der furiosen Dekonstruktion von Mozarts „La clemenza di Tito“ durch das Dream-Team aus Peter Sellars (Regie) und Teodor Currentzis (musikalische Leitung) mit seinem entschieden formulierten Willen zur anspruchsvollen, reflektierten Kunst mit Haltung, die auch Risiken nicht scheut. Unter der neuen Intendanz von Markus Hinterhäuser soll dies erklärtermaßen Programm sein und den zuletzt inhaltlich beliebigen Festspielen wieder ein markantes Profil verleihen. Nach weiteren Premieren im Schauspiel und der zweiten großen Opernproduktion wird deutlich, dass das Niveau der Auftakt-Produktion noch die Ausnahme bleibt und (noch) nicht zur schönen Regel wird.
Obwohl auch bei Dmitri Schostakowitschs gewalttätiger Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ der Besetzungszettel verheißungsvoll klingt: Andreas Kriegenburg inszeniert, am Pult der Wiener Philharmoniker steht der große Mariss Jansons, Nina Stemme sing die Titelrolle. Aber der Abend glückt nur in Teilen. Auf die 30 Meter breite Bühne des großen Festspielhauses hat Harald B. Thor eine rohe Betonlandschaft gewuchtet: eine imposante Häuserfront, die an bröckelnde Reste konstruktivistischer Sowjet-Architektur erinnert. Vor diesem massiven Hintergrund fahren von den Seiten das Schlafzimmer der Titelheldin und das zugemüllte Büro ihres verhassten Gatten Sinowi herein. Nicht weniger als 20 Tonnen Stahl wurden in diesem spektakulären Bühnenbild verbaut, das unzählige Möglichkeiten der Bespielung bietet und eine der Hauptattraktionen des Abends bleibt.
Regisseur Andreas Kriegenburg setzt auf Hyperrealismus und stellt alle Brutalitäten des Stücks wie Vergewaltigung, Mord und Folter ungeschönte aus. Aber er findet keine Haltung, geschweige denn eine heilsame Distanz zu Schostakowitschs drastischer Anklage der tristen Verhältnisse im vorrevolutionären Russland. Kriegenburg arbeitet handwerklich sauber, aber er findet keine Alternative zu braver Karikatur und Überzeichnung, die berüchtigte, explizit auskomponierte Sex-Szene bebildert er wacker die Rhythmen nachturnend, aber seltsam schweißfrei. Und die Schlussszene, wenn Titelheldin Katerina und ihre erotische Konkurrentin Sonetka laut Libretto ertrinken und hier aber bloß zwei plumpe Puppen am Strick baumeln, wirkt arg ungeschickt. Trotz aufwändigster Inszenierung, trotz peitschenschwingenden Peinigern, rohem Fußvolk, korrupter Polizei und rammelndem Chor bleibt das Geschehen wohltemperiert und weiß wenig von der vulgären Grimasse und der krähenden Parodie der Musik.
Vielleicht liegt die Entschärfung auch daran, dass Nina Stemme ziemlich brav ausstaffiert wurde und Kriegenburg sie nicht zu jener animalischen Triebhaftigkeit überreden konnte, die diese starke und zugleich gebrochene Figur unbedingt braucht. Man glaubt Stemme das Fieber nicht, den Sog der sexuellen Abhängigkeit und das bedenkenlose Kippen in die Kriminalität. Möglicherweise ist die Sängerin aber auch zu sehr mit den technischen Hürden ihre Rolle beschäftigt, mit der sie hörbar Probleme hat. Stemmes sonst so leuchtkräftiger Sopran klingt in der Mittellage matt, zu breit geführt und spricht in der Höhe nur mit Druck an, leise Töne brechen ihr sogar weg. Ungleich müheloser klingt Brandon Jovanovichs strahlender Spinto-Tenor in der Rolle ihres verkommenen Liebhabers Sergej, großartig auch Dmitry Ulyanov als Schwiegervater Boris Ismailow, der gesamte Rest des riesigen Ensembles ist famos und festspielwürdig besetzt.
Womit wir bei der hinreißenden musikalischen Seite des Abends wären, dessen Trumpfkarte Mariss Jansons ist. Der 74-Jährige ist ein seltener Gast im Orchestergraben, in Salzburg hat man ihm offenbar seine hohen Anforderungen in puncto Probenzeit ermöglicht, und das Ergebnis ist in der Tat bezwingend. Was Kriegenburgs bemühter Arbeit auf der Bühne fehlt, löst Jansons mit den unglaublich klangsinnlichen, zugleich kontrolliert und entfesselt spielenden Philharmonikern ein: die eisige Kälte der Parodie, die melancholische Süße der Passagen, die an Gustav Mahler erinnern, der höhnische, entmenschlichte Sadismus der Gewaltausbrüche. So wird der Abend dann doch noch zum umjubelten Triumph.

Regine Müller

(Fotos: Salzburger Festspiele/Thomas Aurin)


29. Juli — 04. August 2017

Unbekannter Verdi

Zum Ende der diesjährigen Opernfestspiele Heidenheim (18. Juni bis 30. Juli) feierte am 27. Juli die zweite Festspielproduktion Premiere: Verdis frühe Oper „Un giorno di regno“ aus dem Jahr 1840. Unter der Leitung von Marcus Bosch, dem künstlerischen Leiter des Festivals, wird in Heidenheim seit letztem Jahr ein ambitioniertes Langzeitprojekt verfolgt: Innerhalb von neun Jahren sollen alle frühen Verdi-Opern in Heidenheim aufgeführt und auf CD dokumentiert werden. Neben den Verdi-Dauerbrennern wie „La Traviata“, „Aida“ oder „Don Carlos“ haben es seine frühen Opernversuche wie „Oberto conte di San Bonifacio“ oder „I lombardi alla prima crociata“ seit jeher schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen. Zu Unrecht, wie man in Heidenheim beweisen will. Das Festspielorchester Cappella Aquileia rückt mit historisch informiertem Spiel den Fokus auf die musikalischen Qualitäten dieser „Frühwerke“. Regisseurin Barbora Horáková Joly setzt zudem bei der diesjährigen Produktion, die ja nach Wetterlage Open Air in der Schlossruine oder nebenan im Festspielhaus gegeben wird, auf eine besondere Ästhetik: das Spiel vor allem mit Requisiten auf einer ansonsten weitgehend leeren Bühne. Verdi, neu entdeckt auf der Schwäbischen Alb! Die einzige Vorstellung nach der Premiere gibt es am 29. Juli.

(Fotos: Oliver Vogel)


22. — 28. Juli 2017

„Oberon“

Die Geschichte von Oberon, Titania & Co aus William Shakespeares „A Midsummer Night’s Dream“ hat so einige Künstler und Komponisten begeistert: Neben Mendelssohns berühmter Ouvertüre kennt man heute vor allem noch Brittens „Sommernachtstraum“. Carl Maria von Webers Verarbeitung ist dagegen nahezu vergessen, mit dem riesigen Erfolg seines „Freischützes“ konnte seine romantische Feenoper „Oberon, König der Elfen“ nie mithalten. Nun aber feierte sie am 21. Juli im Münchner Prinzregententheater Premiere, als zweite Produktion der diesjährigen Münchner Opernfestspiele, die traditionell die Saison in der Stadt an der Isar abrunden und beschließen. Der Stoff allerdings, den Weber nicht direkt von Shakespeare adaptierte, sondern einem „Romantischen Heldengedicht“ von Christoph Martin Wieland entnahm, wartet mit einigen inhaltlichen Überraschungen auf. In der Inszenierung von Nikolaus Habjan und unter der künstlerischen Leitung von Ivor Bolton wird diese Weber-Oper in einer Star-Besetzung mit u.a. Annette Dasch, Julian Prégardien und Brenden Gunnell präsentiert. Als Akteure mit dabei sind aber auch Puppen, die das Magische und Märchenhafte des Stoffes mit ihrer ganz eigenen Aura unterstützen sollen. Puppentheater für Erwachsene: ein Sommernachtsmärchen mal anders.

(Fotos: Wilfried Hösl)


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