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11. — 17. November 2017

Für „Slawa“

Vor zehn Jahren ist der Jahrhundert-Cellist Mstislaw Rostropowitsch, von seinen Freunden und Bekannten liebevoll „Slawa“ genannt, gestorben. In seinem 80 Jahre währenden Leben war er nicht nur ein außergewöhnlicher Cellist, sondern auch Dirigent, Künstler, engagierte sich gesellschaftspolitisch und war charismatischer Mittelpunkt eines großen Netzwerkes an Freunden und Förderern. Das Konzerthaus Berlin lädt nun ein, sich diesen Musiker und Menschen in einem neuntägigen Festival zu vergegenwärtigen, seine Kunst zu feiern und den Einfluss zu würdigen, den er auf Generationen von Cellisten hatte. Dafür treten Schüler und Kollegen zu einem wahren Cello-Marathon an: u.a. Alban Gerhardt, Daniel Müller-Schott, Sol Gabetta, Frans Helmerson, Wolfgang Emanuel Schmidt, David Geringas, Mischa Maisky und Anne-Sophie Mutter. In einer Reihe von Konzerten verwandeln sie die Hommage zu einem Cello-Festival, in dessen Mittelpunkt auch einige Werke stehen, die für Rostropowitsch komponiert wurden. Auch ein Vortrag seiner ehemaligen Schülerin Elizabeth Wilson, eine Filmvorführung und eine eigens herausgegebene Festschrift kreisen um das Phänomen Rostropowitsch.

Weitere Informationen und Tickets gibt es auf vwww.konzerthaus.de.


04. — 10. November 2017

„Satyagraha“

Er ist Mitbegründer der Minimal Music und ergründete das Potenzial und die hypnotische Wirkung der ewigen Pattern und Wiederholungen auch für die Oper: Philip Glass. Seine Musik ist derzeit beliebt wie nie, sie verspricht Übersicht und Einfachheit in komplizierten und überfordernden Zeiten. Vielleicht ein Grund dafür, warum die fünf Vorstellungen von „Satyagraha“ an der Komischen Oper Berlin schon vor der Premiere am 27. Oktober nahezu ausverkauft waren. Der kryptische Titel der in Sanskrit gesungenen Oper stammt aus der „Bhagavad Gita“, einer wichtigen Schrift des Hinduismus. Er bedeutet „beharrliches Festhalten an der Wahrheit“. Die Oper kreist, aufgeteilt in drei Akte, sehr frei um zentrale Szenen aus Gandhis Leben auf vier Kontinenten: etwa das gemeinschaftliche Leben auf der von Gandhi gegründeten „Tolstoi-Farm“, die von Gandhi initiierte Aufstände gegen die Rassenunterdrückung in Südafrika und Indien, die Gründung der Zeitschrift „Indian Opinion“, Protestaktionen in Johannesburg und der Aufstand und Protestmarsch von indischen Minenarbeitern in Newcastle. Der flämisch-marokkanische Choreograf Sidi Larbi Cherakoui hat mit den Tänzern aus seiner Eastman Company die minimalistische Musik in Bewegung übersetzt: 3 ¼ Stunden pulsierende Energie, Aggressionen, Meditationen, Bewegung und Stillstand. Das funktioniert hervorragend, auch weil die Sänger und das Orchester unter der Leitung von Jonathan Stockhammer sehr präzise musizieren und sich hochkonzentriert auf diese gar nicht einfache Musik einlassen. In manchen Szenen wird die Koalition aus Musik und Bewegung ein wenig plakativ – zu viel Blut klebt da manchmal an den Händen, zu holzschnittartig manch ein gestischer Code, mit dem Cherakoui auch die Sängerinnen und Sänger betraut hat. Dennoch: Der Abend entwickelt einen Sog der Konzentration, und diese Erfahrung berührt das Publikum, wie die Standing Ovations am Schluss deutlich machen.

Anna Vogt

(Fotos: Monika Rittershaus)


28. Oktober — 03. November 2017

ECHO Klassik

Im Januar erst eröffnet, darf die Elbphilharmonie in Hamburg nun als prunkvoller Schauplatz dienen für die Preisverleihungs-Gala eines der wichtigsten Musik-Preise: des ECHO Klassik. Zu den Preisträgern in diesem Jahr zählen die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, Joyce DiDonato, Matthias Goerne, Daniel Hope, Kent Nagano, Maurizio Pollini, Fazıl Say, Christian Tetzlaff, das Wiener Klaviertrio, Thomas Fritzsch, Sebastian Knauer, Linus Roth und der Nachwuchskünstler Lucas Debargue. Zudem erhält der Tenor Jonas Kaufmann die Trophäe für seine CD „Dolce Vita“, mit der er in der Kategorie „Bestseller des Jahres“ punkten konnte. Im ZDF kann man die feierliche Gala live verfolgen. Als Laudatoren sind u.a. Katja Riemann, Dr. Norbert Lammert, Tobias Moretti und Till Brönner eingeladen. Moderiert wird die Gala von Thomas Gottschalk. Einige der Gewinner werden zudem natürlich auch mit musikalischen Live-Einlagen ihr Können unter Beweis stellen, so zum Beispiel Jonas Kaufmann, die 12 Cellisten, Camille Thomas, Pretty Yende und Matthias Goerne. Sie werden dabei begleitet vom Philharmonischen Staatsorchester Hamburg unter der Leitung seines GMD Kent Nagano (der im Übrigen dieses Jahr den Preis als „Dirigent des Jahres“ mit nach Hause nimmt). Wir gratulieren allen ECHO Klassik-Preisträgern!

(Fotos: Peter Adamik, Markus Nass)


21. — 27. Oktober 2017

70 wilde Jahre

Erlebt hat die Komische Oper Berlin in ihren 70 Jahren viel, altersmüde wirkt sie heute – unter der erfolgreichen Intendanz von Barrie Kosky – kein Stück. Im Gegenteil: Die Komische Oper Berlin macht vor, wie man die Oper und vor allem auch Operette von ihrem Staub und ihren Imageproblemen befreien kann. Und sie zeigt, wie man mit einem eher kleinen Haus und weitgehend mit dem eigenen, spielfreudigen Ensemble von Barock bis Zeitgenössisches auf unterhaltsame Art einem Publikum nahebringt, ohne am Niveau zu sparen. Dass man an einem solchen Haus richtig zu feiern weiß, versteht sich von selbst. Und so hat die Komische Oper in Berlin Mitte für die Jubiläums-Saison einiges geplant: Am 15. Oktober startete man die Geburtstags-Feierlichkeiten mit einer digitalen Ausstellung, die jeder auf der Homepage der Komischen Oper besuchen kann. Sie zeigt eine Chronologie der bewegten letzten 70 Jahre, entstanden in Kooperation mit der Uni und FH Potsdam. Im Mittelpunkt werden dann aber vor allem zwei Jubiläums-Produktionen von Werken stehen, die in der Regie von Walter Felsenstein einst große Erfolge feierten: Das Musical „Anatevka“ (Premiere am 3.12.) und Offenbachs Opéra bouffe „Ritter Blaubart“ (Premiere am 17.3.). Barrie Kosky selbst wird „Anatevka“ inszenieren, während er Stefan Herheim für „Ritter Blaubart“ holt. Rund um die Premieren gibt es eine offizielle Geburtstagsparty, Podiumsdiskussionen und Künstlergespräche – schließlich kann man über Kunst hervorragend streiten und sich dabei bestens amüsieren. Happy Birthday, Komische Oper Berlin!

(Foto: Iko Freese/drama-berlin.de)


14. — 20. Oktober 2017

Neu!

Im Herbst wird der Name „Donaueschingen“ zum Synonym für „Neue Musik“, wenn jährlich die ganze Szene zusammenkommt zum ältesten und traditionsreichsten Festival für Neue Musik weltweit. Auch in diesem Jahr sind im Verlauf des Festival-Wochenendes (19.-21. Oktober) ganze 20 Uraufführungen geplant, u.a. von Bernhard Lang, Thomas Meadowcroft und Andreas Dohmen, dazu Installationen und Diskussionen. Die kleine Stadt in Baden-Württemberg hat im Verlauf der Jahrzehnte Musikgeschichte geschrieben, denn seit der Gründung des Festivals im Jahr 1921 fanden hier bereits Uraufführungen von u.a. Berg, Schönberg und Webern statt, aber auch von Cage, Kagel und Schnebel. Auch in diesem Jahr werden zum Festival-Wochenende wieder etwa 10.000 Besucher erwartet, die das Neueste aus der „klassischen“ Musik erleben wollen. Das Eröffnungs- und das Abschlusskonzert überträgt der SWR im Livestream auf SWRClassic.de.

(Fotos: www.swr.de/swr-classic/donaueschinger-musiktage)


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