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Christina Pluhar

Ein musikalisches Prachtgefieder

Bekannt geworden ist Christina Pluhar als Barockexpertin. Auf ihrer neuen CD zeichnet die Harfenistin und Lautenistin ein papageienbuntes Porträt Südamerikas. Dabei stehen Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert neben barocken Rhythmen. RONDO-Autorin Dagmar Leischow hat sie diesen künstlerischen Spagat erklärt.

Christina Pluhar, geboren 1965 in Graz, ist seit vielen Jahren eine hochgeachtete Harfenistin und Lautenistin. Dem Starrummel verweigert sich die Antidiva konsequent – ihr kommt es auf Kompetenz an, auf Seriosität. Mit ihrem eigenen Ensemble L‹Arpeggiata widmet sie sich ganz der Alten Musik. Für ihre einem historisierenden Ansatz verpflichteten Einspielungen wurde sie bereits mit drei Klassik Echos ausgezeichnet. Nicht ausgeschlossen, dass für ihre jüngste Aufnahme »Los Pájaros perdidos« ein vierter dazu kommen wird. »Ich konzentriere mich stets auf meine Projekte, nicht auf irgendwelche Preise«, stellt sie lachend klar. »Aber ich fühle mich natürlich geehrt, wenn meine Arbeit von anderen wertgeschätzt wird.«
Diese Bescheidenheit ist typisch für die Österreicherin, die inzwischen in Paris lebt. Sie wägt ihre Worte sorgsam ab. Im Gespräch wirkt sie beinahe scheu, auch auf der Bühne bewahrt sie sich ihre Zurückhaltung. Meist sitzt sie an ihrer Theorbe, einer Basslaute. Sie schickt tiefe Töne in den Raum oder dirigiert: »Ich sehe mich stets als Teil des Ensembles und will nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen.« Dank ihrer Bodenhaftung fällt es ihr leicht, den Solisten den Vortritt zu lassen. Das können Instrumentalisten sein, nicht selten Sänger wie Philippe Jaroussky. Den Countertenor hat Christina Pluhar, die übrigens keine Verwandte der Wiener Künstlerin Erika Pluhar ist, für »Los Pájaros perdidos« gewonnen. Diese CD versammelt südamerikanische Volkslieder nebst Kompositionen von Luis Mariano Rivera, Hilda Herrera oder Antonio Nella Castro.
Ein wenig verblüfft es, dass auf diesem Album diverse Werke aus dem 20. Jahrhundert vertreten sind. Findet die Barockspezialistin etwa nicht mehr genügend Repertoire in der Welt der Alten Musik? Sie verneint: »Da gibt es für mich noch vieles zu erforschen.« Trotzdem vereint sie jetzt einen Fandango des spanischen Barockkomponisten Padre Antonio Soler mit einem Tango Nuevo von Astor Piazzolla. Von einem folkloristischen Polo tastet sich Christina Pluhar zu einem Ariel-Ramírez-Zamba vor. Ein besonderes Wagnis sei das nicht gewesen, sagt sie: »Die neueren Stücke klingen ja nicht wahnsinnig modern. Insofern fügt sich alles nahtlos ineinander.«

Diverse

Los Pájaros perdidos (South American Projekt)

Christina Pluhar, L’Arpeggiata, Philippe Jaroussky, Lucilla Galeazzi, Luciana Mancini, Raquel Andueza u.a.

Virgin/EMI

Dagmar Leischow, RONDO Ausgabe 1 / 2012



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