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Musik-Krimi

Folge 18: Der Entführer am Telefon

In dem neonbeleuchteten Büro der Polizei herrschte gespannte Stille. Ein Telefon klingelte. Kommissar Reuter gab Dr. Stradivari ein Zeichen, woraufhin dieser abnahm und sich meldete. Zuerst war nur Klaviermusik zu hören. Der Anrufer hörte im Hintergrund Prokofjews fünfte Klaviersonate. „Wer ist da?“, fragte Stradivari.
„Das wissen Sie genau“. Die Männerstimme klang dumpf. „Hier ist der erste Teil der Lösegeldforderung. Halten Sie drei Millionen Euro in bar bereit. Weitere Angaben folgen.“
An der Wand des Büros stand ein Tisch mit technischen Geräten. Ein Beamter war damit beschäftigt, den Anruf zurückzuverfolgen. Reuter deutete mit dem Daumen nach unten. Dr. Stradivari sollte den Täter hinhalten. Man hatte ermittelt, wer der Erpresser war, der vor drei Tagen die Pianistin Sarah Berger entführt hatte. Es war Angelo Bernardi – ein italienischer Drogenboss. Wo er sich aufhielt, war unbekannt. Bernardi war ein großer Klaviermusikkenner. Ihn in ein Gespräch zu diesem Thema zu verwickeln, war die einzige Möglichkeit, das Gespräch zu verlängern. Das war Dr. Stradivaris Aufgabe.
„Sie hören Prokofjew“, sagte er. „Sie kennen das? Da gibt es nicht viele bei der Polizei.“ „Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Aufnahme ist gut.“ „Sviatoslav Richter, wenn Ihnen der Name etwas sagt.“ „Natürlich. Er war ja sogar mit Prokofjew befreundet.“ „Ganz recht. Wir werden natürlich nie erfahren, wie er dieses Stück bei der Uraufführung gespielt hat. Leider gibt es davon kein Dokument. Aber man hört die Alpenidylle heraus. Das Stück wurde ja in Ettal komponiert.“ „Finden Sie die späten Prokofjew-Sonaten nicht viel interessanter?“, nahm Stradivari den Faden auf. „Es gibt ja eine zeitliche Lücke zwischen der fünften und der sechsten. Wobei die fünfte bekanntlich noch in einer späteren Fassung vorliegt.“
„Auch diese herrlichen Stücke hat Richter uraufgeführt.“ Kommissar Reuter legte Stradivari einen Zettel hin: Haben das Haus ausfindig gemacht. Beamte vor Ort. Ein Wagen verlässt das Anwesen. „Und was halten Sie von den Einspielungen der Klavierkonzerte mit Richter und dem Dirigat von Kirill Kondraschin?“, fragte Stradivari weiter. „Mein Favorit ist Beethovens drittes unter Barschai … Die Aufnahme von 1973, und zwar weil …“
Während der Mann auf der anderen Seite sprach, schrieb Stradivari schnell etwas unter Reuters Notiz: Wagen unbedingt verfolgen. Telefonat ist eine Finte. Anrufer ist nicht AB. Was macht Dr. Stradivari so sicher?

www.oliverbuslau.de

Doktor Stradivari ermittelt - und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin. de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit Melodiya ein Muss für alle Svjatoslav-Richter-Fans: Der Hauptpreis ist die exklusive, hochwertig ausgestattete Liebhaber-Box zum 100. Geburtstag, darin das Recital von 1949 mit Schubert und Mussorgski, das Bukarest-Konzert von 1958 sowie Heimaufnahmen mit Nina Dorliak. Für vier weitere Gewinner stellt Melodiya die „Richter Plays Schubert“-Box mit 4 CDs bereit. Einsendeschluss ist der 15. Dezember. Viel Glück!


Auflösung aus Magazin 5/2015

Als spezialisierter Aida-Trompeter wird es Marco Jennings gewohnt sein, durch die Lande zu reisen und aufzutreten, wo auch immer man Verdis Oper gibt. Doch Stradivari weiß, dass Jennings heute Nacht keinen weiten Weg nach Hause hat. Also liegt für ihn ein anderer Auftrittsort nahe, als wie von Reuter vorgeschlagen alle Sinfoniekonzerte abzugrasen, die Operette nämlich, zu der er selbst gerade aufbrechen möchte. Denn tatsächlich setzte unter anderem auch Franz Lehár die Aida-Trompete ein – im „Land des Lächelns“.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 6 / 2015



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