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Doktor Stradivari

Folge 14: Begegnung im Hotel

„Herr Dr. Stradivari?“, fragte eine Frauenstimme, und als er sich umdrehte, stand da eine Blondine um die dreißig – elegant gekleidet und dezent geschminkt. „Entschuldigen Sie“, fuhr sie fort, „ich habe ein wenig mit dem Mann an der Rezeption geplaudert, und er hat mir verraten, dass Sie ein großer Musikkenner sind. Ich bin selbst ein Klassik-Fan. Ach, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Bea Berger.“
Sie nahm neben Dr. Stradivari an der Hotelbar Platz und orderte einen Prosecco. „Haben Sie beruflich mit Musik zu tun?“, fragte er.
„Es ist nur eine Liebhaberei. Ich spiele ein wenig Klavier, aber ich habe eine sehr große Musiksammlung. Auch viele Vinylplatten. Die habe ich von meinen Eltern geerbt. Ich selbst bin ja eher mit der CD aufgewachsen. Aber wenn man noch einen guten Plattenspieler hat … So eine Mahlersinfonie unter Bernstein oder Mozart mit Karl Böhm auf Vinyl – das ist schon was.“ Sie kam weiter ins Plaudern. „Meine Mutter war eine gute Geigerin. Sie hat sogar drei Jahre bei den Berliner Philharmonikern gespielt. Zweite Geige, aber immerhin. Doch dann lernte sie meinen Vater kennen, wurde schwanger und gab ihren Beruf auf.“
„Und dann kamen Sie auf die Welt?“, fragte Dr. Stradivari. Sie lachte und strich sich eine Haarsträhne zur Seite. „Nein, mein Bruder. Er ist zehn Jahre älter als ich. Aber aus ihm ist auch kein Musiker geworden. Er hat eine Computerfirma gegründet. Ich selbst arbeite als freie Reisejournalistin.“ Sie sah Dr. Stradivari tief in die Augen. „Ein schöner Beruf, aber die einsamen abendlichen Stunden an der Hotelbar sind nichts für mich …“
„Würden Sie mich einen Moment entschuldigen?“, fragte Dr. Stradivari. Er ging in die Hotellobby, wo er sich einen ruhigen Platz zum Telefonieren suchte. Dann rief er seinen Bekannten, den Kriminalkommissar Reuter an. „Sie suchen doch seit Monaten diese Betrügerin, die in allen möglichen Verkleidungen unter falschem Namen mit allein reisenden Herren in Hotels flirtet und ihnen dann Bargeld stiehlt?“
Reuter lachte. „Allerdings. Einmal hat sie sogar den Autoschlüssel ihres Opfers genommen und eine teure Limousine gestohlen. Leider haben wir keine gute Beschreibung. Sie trägt wohl Perücken. Sie ist etwa dreißig und informiert sich über die Herren, an die sie sich heranmacht, vorher immer sehr gut. Um sie in ein Gespräch zu verwickeln, gibt sie vor, sie habe mit ihnen etwas gemeinsam. Ein Interessensgebiet. Darin ist sie sehr raffiniert.“ „So raffiniert auch nicht. Es könnte sein, dass sie mich gerade auserkoren hat. Könnten Sie jemanden herschicken, der sie überprüft, während ich sie noch eine Weile hinhalte?“ Warum ist die angebliche Bea Berger für Doktor Stradivari verdächtig?

www.oliverbuslau.de

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

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Auflösung aus Magazin 6/2014:

Herr Katenburg wusste zwar mit dem Repertoire des Abends für sich zu überzeugen, mit der Schilderung des Konzerts schon weniger. Wäre er wirklich im Saal gewesen, wäre ihm nicht entgangen, worin er sich nun in seinem Lobpreis des Pianisten verhedderte – dass es sich bei den Werken nämlich um Sonaten für vierhändiges Klavier, also zwei Spieler handelte. Pech gehabt!


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 2 / 2015



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