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(c) Monika Rittershaus

Vornehmer Klang, gesoftete Veduten: Richard Straus` „Der Rosenkavalier"

Salzburg (A), Festspiele

Der „Rosenkavalier“, schönstes, nicht modernstes, nicht spektakulärstes Stück ihrer Gründer Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss, begleitete die Salzburger Festspiele seit 1929. Aber spätestens seit 1960 Karajan damit sein hypertrophes Großes Festspielhaus eröffnete, wurde diese „Wienerische Maskerad“ sogar zu einer Art Signaturstück.
Musikalisch tut sich der sonnig durchglühte Festspielhimmel auf. Dieser „Rosenkavalier“ – es wurden einige Striche geöffnet, die den Ochs aufwerten – ist aber bei aller Kulinarik ein wissend-moderner, das ist das klanglich Zukunftsweisende der Aufführung. Franz Welser- Möst am Pult der Wiener Philharmoniker hat den Graben hochgefahren, um den Glanzfaktor und die seidig-weiche Struktur dieser schmiegsamen Musik zu steigern. Es klingt stets reflektiert, schwungvoll, sehr vornehm, kristallin, nie sentimental.
Denn auf der von Hans Schavernoch entworfenen Bühne, auf der großflächig fließend Raumfluchten ineinander gleiten, finden sich lyrische Stimmen. Darunter zwei bedeutende Rollendebütanten: Krassimira Stoyanovas nobel- strahlende Marschallin ist hier eine alterslos- reife Frau in makellos weißem Morgenmantel mit Pelzmanschetten. Und Günther Groissböcks ungewöhnlich jugendlicher Ochs ist eine grandios-stimmige Mischung aus rustikalem Don Juan und Landjunker-Faun aus Niederösterreich. Stimmlich fehlt ihm ein wenig an Tiefe, er kompensiert das mit Intelligenz und Präsenz. Während Mojca Erdmann ein sopransilbriges Sophie-Trotzköpfchen gibt, liefert die Octavian-erfahrene Sophie Koch die reifste Sängerinnenleistung.
Der bald 79-jährige Harry Kupfer belässt das Werk als eines der bewusst zelebrierten, nur ganz unterschwellig spürbaren Restauration. Die erlesen-monochromen Bilder und die zurückhaltenden Kostüme siedeln das Geschehen in der Entstehungszeit an. Man wohnt in großflächigen Lofts, die wie auf Wiener Werbetafeln auf menschenleere, zart gesoftete Stadtveduten treffen. Kupfer lässt ausgerechnet im reichen Salzburg seine sozialistische Sozialisation außen vor. Mit Liebe zum zwischentongefärbten Detail ist das eine bei aller Bewegungsnervosität ruhige, konventionell konservative, aber genaue Inszenierung geworden.

Roland Mackes, RONDO Ausgabe 4 / 2014



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