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Karol Szymanowski

Werke für Violine und Klavier

Marie Radauer-Plank, Henrike Brüggen

genuin/Note 1 GEN17459
(68 Min., 6 & 9/2016)

Wenn ein polnischer Komponist zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Nocturne schrieb, bekannte er sich damit unumwunden zu dem Erbe seines großes Landsmannes Frédéric Chopin. Kombinierte er so ein „Nachtstück“ aber nun mit einer „Tarantella“ und damit mit einem Instrumentaltanz, wie ihn schon der Italien-Reisende Goethe in Neapel erlebte hatte, zeichnete ihn das als musikalisch weltoffen aus. Und solch ein neugieriger Wanderer zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Stilrichtungen war Karol Szymanowski. Geboren auf einem Gut in der Ukraine, reiste er bereits mit 13 Jahren nach Wien und in die Schweiz. Und seinen Ruf als Polens bedeutendste Komponistenpersönlichkeit nach Chopin untermauerte Szymanowski später mit einer Klangsprache, die die osteuropäische Tradition mit der Moderne eines Debussy und Skrjabin verband. Etwas von der impressionistischen Harmonik schwingt auch in jenem Doppelsatz „Nocturne und Tarantella“ aus dem Jahr 1915 mit, mit dem das deutsche Duo Marie Radauer-Plank (Violine) und Henrike Brüggen (Klavier) ein überfälliges Porträt des Kammermusikkomponisten Szymanowski abrundet. Neben der Sonate des 22-Jährigen gibt es die ebenfalls französisch aromatisierten drei Poeme „Mythes“ sowie Arrangements aus Bühnenwerken wie der Oper „Król Roger“, die von dem für Szymanowski so bedeutenden Geiger Pawl Kochánski stammen. Und was das ungemein facettenreiche Ausdrucksspektrum angeht, das von der aufgewühlten Sehnsuchtsgeste über das virtuos Brillante bis zur intim filigranen, auch von scheinbar 1001 Flageolettfarben aufgeladenen Sinnlichkeit reicht, sind die beiden Musikerinnen jetzt mehr als nur in ihrem Element. Sie beherrschen einfach die gesamte Palette eines sich gegenseitig inspirierenden Duo-Spiels, um wie aus einem Guss das Raffinement und Reizvolle, das Lyrische und Lebensbejahende dieser Musik einzufangen. Tolle bis große Musik, gespielt von zwei großartigen Musikerinnen.

Guido Fischer, 20.05.2017



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