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Claudio Monteverdi, Marco Uccellini, Tarquinio Merula u.a.

Lamento della ninfa, Combattimento di Tancredi e Clorinda u.a.

Magdalena Kožená, Anna Prohaska, Jakob Pilgram, La Cetra Barockorchester Basel, Andrea Marcon u.a.

DG/Universal 479 4595
(77 Min., 11/2014)

Als Magdalena Kožená 2010 mit dem italienischen Barockalbum „Lettere amorose“ herauskam, war der Markt an solchen Recitals zwar noch nicht gesättigt. Aber eine gewisse Monotonie hatte sich breitgemacht – angesichts der vielen Versuche, auch einen Monteverdi mal so auf jene Jazz-Gleise zu setzen, die Christina Pluhar mit ihrem L´Arpeggiata-Ensemble ausgelegt hatte. Unter Koženás Arien gab es nun einige, die sich mittlerweile zu regelrechten Ohrwürmern entwickelt hatten. Aber sie sang diese Perlen eben ganz ohne musikalisch neumodischen Schnickschnack, sondern tauchte mit ihrer so makellosen, das Herz auf dem rechten Fleck tragenden Stimme scheinbar einfach, aber unerhört tief in die barocken Sehnsuchts- und Schicksalswelten ein. Bis heute kann man sich an diesen „Lettere amorose“ laben. Und so reagierte man jetzt etwas zwiespältig auf die Ankündigung, dass Kožená sich ein zweites Mal mit diesem italienischen Repertoire beschäftigen will. Denn der Zweifel beschlich einen doch: Ist das vollkommene Glück wirklich reproduzierbar?
Die Antwort darauf folgt auf dem Fuß, bzw. mit strahlendsten Kornettgirlanden! „Quel sguardo sdegnosetto“ heißt das dazugehörige Vokalstück aus Claudio Monteverdis Sammlung „Scherzi musicali“ und ist eine furiose Anklage einer von der Liebe Verwundeten. Andrea Inghischiano vom La Cetra Barockorchester Basel dreht zunächst auf dem Kornett sensationelle Pirouetten – bevor Kožená mit riesiger, leuchtender Strahlkraft selbstbewusst auftrumpft und dabei zwischendurch magische Momente des Zweifels einstreut. Allein dafür hat sich diese Neuauflage von „Kožená Meets Monteverdi” gelohnt. Doch genauso kann sie auch in einer musikalischen Tragödie wie der großen Szene „Combattimento di Tancredi e Clorinda“ mit ihrer unter die Haut gehenden Expressivität fesseln. Und in der Arie „Addio, Roma“ der Ottavia aus Monteverdis „Poppea“ erreicht Magdalena Kožená einmal mehr eine stimmschauspielerische Qualitätsstufe, die in dieser Güteklasse nur die unvergleichliche Mezzo-Kollegin Lorraine Hunt Lieberson hinbekam. Hatte Kožená bei den „Lettere amorose“ mit Private Musicke schon ein erstklassiges Alte Musik-Ensemble zur Seite, so liegt das jetzt zu hörende La Cetra Barockorchester Basel unter Leitung von Andrea Marcon – auch in den eingestreuten Instrumentalstücken etwa von Uccellini und Merula – um noch mehr als nur eine Nasenlänge vorn, was den luftigen, geschmackvollen und geistvollen Umgang mit dieser Musik angeht.

Guido Fischer, 27.02.2016



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Die stimmlich, sprachlich und vorallem gestalterisch höchst beschränkte Frau Kozena mit Lorraine Hunt zu vergleichen ist schon beachtlich! Ich habe beide Frauen oft gehört und dazwischen liegen wirklich Welten! Das Konzert im Kammermusiksaal vor zwei Wochen hat wieder gezeigt, dass Frau Kozena wohl nur ein Vetternwirtschafts- und Marktetingprodukt ist. Die Stimme hat oben und unten keinen brauchbaren Klang, sie singt nicht einmal ihre Muttersprache natürlich und über Inhalte macht sie sich hörbar keine Gedanken. Schlecht einstudiert und geprobt war das überambizionierte Programm zu allem Übel auch noch.




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