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Felix Mendelssohn Bartholdy

Sinfonien Nr. 3 & 4

Freiburger Barockorchester, Pablo Heras-Casado

harmonia mundi HMC 902228
(68 Min., 3/2015)

Auf dem Weg zur Gesamteinspielung der Sinfonien Mendelssohn Bartholdys sind Pablo Heras-Casado und das Freiburger Barockorchester also nun bei den zwei beliebtesten angelangt, bei der „Schottischen“ (Nr. 3) und der „Italienischen“ (Nr. 4). Und wie bei den letzten, Schubert und Schumann gewidmeten Aufnahmen erweist sich die Zusammenarbeit als Glücksfall. Erneut greift ein Orchesterrad äußerst präzise ins andere, ohne dass man ins mechanistische Musizieren verfällt. Im Gegenteil. Jede damit noch so transparent gemachte Phrase verdeutlicht den tiefgestaffelten Reichtum dieser Partituren. Zugleich weiß man das romantische Empfinden mit einer Dringlichkeit auszuspielen, ohne nur für einen Augenblick mit herkömmlichen Gefühlswallungen zu flirten. Und für die virtuose Zugkraft ist das Freiburger Barockorchester durch die Bank in allen Orchestergruppen natürlich bestens bestückt.
Besonders groß trumpfen dabei die Holz- bzw. Blechbläser auf. So wird das düstere Eingangsthema im Eröffnungssatz der 3. Sinfonie zu einem visionären Statement Mendelssohns, der hier einen mächtigen Schatten auf den kommenden Sinfoniker Brahms wirft. Allein mit diesem musikhistorischen Verweis festigt Heras-Casado sein Verständnis von Mendelssohn als ein Schwergewicht unter den romantischen Klassikern. Und warum hinter sanfter Luftigkeit nicht der nette Klassizist Mendelssohn lauern muss, wie es das Klischee immer noch hartnäckig behauptet, belegt man in dem spannungsvoll mit Schattierungen spielenden „Con moto moderato“-Satz der „Italienischen“. Wer auch auf solche Finessen achtet wie Heras-Casado, der kann selbst dem arg strapazierten „Saltarello“-Satz Ungeahntes entlocken. Und so wird man Ohrenzeuge eines nicht gehetzt wirkenden, hochdramatischen Perpetuum mobile-Furiosos, das scheinbar ungebremst auf Abgründe zusteuert.

Guido Fischer, 30.01.2016



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