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Antonín Dvořák

Sämtliche Sinfonien und Konzerte

Alisa Weilerstein, Frank Peter Zimmermann, Garrick Ohlsson, Tschechische Staatsphilharmonie Brünn, Jiří Bělohlávek

Decca/Universal 478 6757
(485 Min., 11/2012 - 12/2013) 6 CDs

Ganze sechs Gesamteinspielungen der Sinfonien Antonín Dvořáks gab es bisher, die Hälfte davon entstand vollständig (Kertész) oder teilweise (Rowicki, Kubelik) in den 60er Jahren, doch selbst die letzte – und entbehrlichste – (Gunzenhauser) hat mittlerweile schon über 30 Jahre auf den Rillen. Natürlich herrschte in der Zwischenzeit an Aufnahmen der Neunten kein Mangel, und auch die Siebte und Achte kamen gelegentlich zum Zug. Was aber die übrigen Werke anbelangt, war bis auf die grandiose Hengelbrock-Einspielung der Vierten im vergangenen Jahr Ebbe angesagt, ein neuer kompletter Zyklus also überfällig.
Für seine Rückkehr an die Spitze der Tschechischen Philharmonie zur Saison 2012/13 programmierte Jiří Bělohlávek einen Dvořák-Schwerpunkt mit allen Sinfonien und Solokonzerten, den das Orchester zuerst in eigener Regie mitschneiden ließ und dann an Decca lizensiert hat, die das Ergebnis jetzt auf sechs randvollen CDs (zwei davon bringen es auf eine Spielzeit von 84 Minuten!) veröffentlicht.
Unüberhörbar, dass es sich für den Maestro und seine Musiker dabei um eine Herzensangelegenheit handelte: Diese Box ist eine einzige Liebeserklärung an den Komponisten, der definitive Dvořák für die einsame Insel – zumindest was die Sinfonien anbelangt. Bei den Konzerten nämlich wird man mit den Solisten nicht recht glücklich, sie sind der Grund, warum es nur vier Punkte für diese eigentlich überragende Einspielung gibt.
Alisa Weilerstein geht mit dickem, druckvollem Ton und üppigstem Vibrato (sowie mehr als überflüssigen Seufzern und Schluchzern im Adagio) an das Cellokonzert; Frank Peter Zimmermanns Geige wünscht man sich lockerer und entspannter in Ton und Phrasierung; weniger auszusetzen gibt es am Klavierkonzert mit Garrick Ohlsson, doch wirkt auch er nicht ganz frei. Schade, dass Bělohlávek nicht noch einmal Isabelle Faust und Jean-Guihen Queyras dazu gebeten hat, mit denen er bereits vor zehn Jahren Referenzaufnahmen des Violin- bzw. Cellokonzertes vorgelegt hat. Ansonsten aber allererste Sahne!

Michael Blümke, 12.07.2014



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Der Kritik kann ich grundsätzlich zustimmen, auch wenn ich die Interpretation der Konzerte positiver bewerte als der Rezensent. Völlig falsch ist hingegen die Information über die bereits vorliegenden Gesamtaufnahmen der Dvorak-Symphonien. Aktuell sind neben dieser noch neun (!) weitere Einspielungen im Handel verfügbar, davon die von Anguelov/RSO Bratislava und Valek/RSO Prag jüngeren Datums (2001-2004). Ausserdem gibt es genügend Einzelaufnahmen insbesondere der Symponien 2,3,4,6 und 7 mit Aufnahmedatum der letzten Jahre, z.B. von Mackerras, Macal oder Serebier, die allmal zu empfehlen sind. Im übrigen hat - was die frühen Dvorak-Symphonien betrifft - in den letzten ca. 20 Jahren ein Umdenken stattgefunden. Sie werden immer öfter und zurecht eingespielt und auch in Konzerten aufgeführt. Das sollte auch einem Rezensenten nicht verborgen bleiben. Jedenfals besteht auf Tonträgern kein Mangel an Aufnahmen. Was diese Belolavek-Aufnahme betrifft, so möchte ich auf das sehr presente volle Klangbild hinweisen. Hier hat diese Aufnahmen einen deutlichen Vorteil gegenüber den anderen Gesamteinspielungen




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