Responsive image

New Brighton

Domenic Landolf

Pirouet/Edel 1018047POU
(50 Min., 11/2009)

Es ist immer noch etwas Außergewöhnliches, wenn ein Saxofonist auf ein Harmonie stützendes Instrument verzichtet und nur mit Bass und Schlagzeug im Trio spielt. Dabei erlaubt diese Besetzung eine ganz besondere Freiheit im melodischen Diskurs. Voraussetzung allerdings ist, dass der Bassist über die Gabe kohärenter und spannungserzeugender Linienführung verfügt, und der Schlagzeuger rhythmisch strukturiert quasi klangharmonisch und klangmelodisch in einen fantasievollen Dialog mit dem Bläser tritt. Die Trios von Sonny Rollins mit Max Roach oder Elvin Jones kommen einem in den Sinn – aber auch Third Kind of Blue, eine Kultgruppe um John Purcell in den Achtzigerjahren. Gerade an Third Kind of Blue erinnert das neue Album des 41-jährigen schweizer Hochschuldozenten Domenic Landolf. Neben dem Tenorsaxofon spielt er noch Bassklarinette und Altflöte. Aber nicht nur diese Diversität der Instrumente zeichnen ihn als Klangmagier aus, auch auf den jeweiligen Instrumenten selbst verfügt er über ein ungeheuer breites Klangspektrum, das er ganz im Sinne differenzierter Sangbarkeit einsetzt. Patrice Moret am Kontrabass erfüllt idealtypisch die Voraussetzungen für diese Besetzung, und der Schlagzeuger Dejan Terzic, Dozent an der legendären Swiss Jazz School, ist ein Ausbund an rhythmischer Ausgebufftheit und klangharmonischer Fantasie. Wie sehr sich dieses Trio als Einheit versteht – und auch funktioniert, kommt schon dadurch zum Ausdruck, dass abgesehen von einem Standard vier der 13 Titel Gemeinschaftskompositionen sind, Kompositionen im echten Wortsinn, nicht etwa verlegenheitsbenannte Kollektivimprovisationen. Jeder der Titel entwickelt ein in sich geschlossenes Stimmungsbild mit gewaltigem Begeisterungssog. "New Brighton" fügt der Geschichte des pianolosen Bläsertrios einen neuen Meilenstein hinzu.

Thomas Fitterling, 14.08.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Am 15. Juli 1789, einen Tag nach dem Sturm auf die Bastille, starb vergessen - und ohne ein Instrument mehr zu besitzen - der große Cembalist Jacques Duphly in seiner Wohnung im Hôtel de Juigné in Paris. Duphly, der sich nach Veröffentlichung von vier begeistert aufgenommenen Büchern mit Pièces de clavecin um 1770 plötzlich aus der Öffentlichkeit zurückzog, hatte seine Karriere als Organist begonnen, sich aber nach seinem Umzug nach Paris ganz aufs Cembalo verlegt. Sein Spiel machte […] mehr »


Top