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Béla Bartók

Sechs Rumänische Volkstänze Sz. 56, Sonatine, Tanzsuite Sz. 77

Jenö Jandó

Naxos 8.554718
(56 Min., 10/1999) 1 CD

Zeit seines Lebens war Bartók auf der Suche nach den wahren Volksweisen, die er, wie er ahnte, nicht in den Großstädten finden würde, sondern abseits der Verkehrswege bei den Bauern. Gemeinsam mit seinem Freund Zoltán Kodály besuchte er Dörfer, zeichnete Volkslieder auf oder machte auf einem primitiven Grammophon Aufnahmen. Die zehntausend Melodien und Rhythmen, die Bartók aus allen Gegenden Ungarns, Rumäniens, Siebenbürgen, aus Walachei und Slowakei mitgebracht hat, verdichteten sich zu einer Tonsprache, die nichts Folkloristisches mehr an sich hat und dennoch in einem höheren Sinne "aus dem Volk" zu kommen scheint. Umso verwunderlicher, dass Bartók als "Brunnenvergifter" und "Fälscher" beschimpft und des ästhetischen Hochverrats geziehen wurde. Er hatte die antirumänischen Stimmungen in Ungarn unterschätzt.
Dabei ist etwa die Sonatine SZ 55, das erste Werk, indem Bartók rumänische Tanzweisen bearbeitet, nicht mehr als eine liebenswürdige Harmlosigkeit. Als solche wird sie auch von Jenö Jandó präsentiert. Anders die Tanzsuite, die eigentlich für Orchester gesetzt ist und hier in einer Klavierversion erklingt, und die rumänischen Volkstänze Sz. 56. Mit ihren ungewohnten melodischen Wendungen und rhythmischen Wechseln sind sie sehr reizvoll anzuhören, aber interpretatorisch heikel.
Jandó setzt dosierte Energie und Glut ein; manchmal aber neigt er dazu, das Charakteristische zu überzeichnen. Dann klingt alles nur hart, martialisch und undifferenziert - so als wüsste Jandó nicht, dass es, frei nach Brahms, selbst im Fortissimo ein Piano gibt. Lediglich in den lyrischen Momenten der Stücke scheint Jandó ganz bei sich zu sein.

Teresa Pieschacón Raphael, 18.04.2002



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