Johann Sebastian Bach hatte nicht nur eine Laute an der Wand hängen. Laut eines Dokuments von 1735 soll er darauf sogar seinem Kompositionsschüler Johann Ludwig Krebs Unterricht erteilt haben. So undurchsichtig bisweilen sein kompositorischer Output für die Laute bzw. für ihren großen Bruder, die Theorbe, immer noch ist – gesichert ist, dass er immerhin die 5. Cello-Suite BWV 1011 für Laute transkribiert hat. Und mit diesen beiden Fassungen ist man auch schon mittendrin in Nils Mönkemeyers jüngstem Konzeptalbum, dessen Idee und musikalischer Gehalt vom banalen Albumtitel „Baroque“ geradezu konterkariert wird. Zusammen mit Lautenist Andreas Arend hat Mönkemeyer, der unermüdlich eben auch im alten Repertoire Neuland für seine Bratsche erkundet, die beiden Suiten nicht einfach gegenübergestellt. Die einzelnen Sätze erklingen unmittelbar im Wechsel der Fassung für Viola und Theorbe und der für Viola solo transkribierten Originalversion. Vorbild mögen dafür Bachs „Double“-Sätze gewesen sein, mit denen er in einer seiner Violin-Partiten einem mehrstimmigen Satz stets eine einstimmige Variation folgen ließ. Nun tun sich ebenfalls zwei kammermusikalisch verwandte, aber eben individuelle Welten auf. Fast wie Arien ohne Worte mit Basso continuo wirken die Versionen für Bratsche und Theorbe. Dagegen nimmt Mönkemeyer die einzelnen Sätze der Solo-Fassung nicht nur ungemein virtuos, sondern verwandelt sie immer auch in aristokratisch-noble Klangwunderwerke.
Das Original und sein Double – so könnte man ebenfalls die weiteren Stücke zusammenfassen, für die sich Mönkemeyer auch mit der (natürlich wunderbar tonschönen) Sopranistin Dorothee Mields zusammenfindet. Die zwei „Airs de cour“ des französischen Barockkomponisten Michel Lambert entpuppen sich nun quasi als Modell für die zweistimmige Bach-Suite. Außerdem zeigen Mönkemeyer und Andreas Arend in einem lange fälschlicherweise Bach zugeschriebenen, vom Lautenisten Silvius Leopold Weiss stammenden „Rondeau“ sowie auch in Lautenstücken von Robert de Visée, wie sehr diese beiden Streich- und Zupfinstrument aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. So freundschaftlich, so vertraut innig gehen sie bei Mönkemeyer und Arend miteinander um.

Reinhard Lemelle, 14.04.2018



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