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George Onslow

Streichquintette Nr. 10 & 22

Élan Quintet

Naxos 8.573689
(66 Min., 8/2016)

Aus dem Jahr 1844 ist eine Lithografie mit dem Titel „Galerie des compositeurs dramatiques modernes“ überliefert, auf der in zwei Reihen Komponisten vereint sind, die in Paris gelebt und gearbeitet haben. Dazu gehören Hector Berlioz und Felix Mendelssohn Bartholdy, Giacomo Meyerbeer und Gioachino Rossini – sowie in 1. Reihe und im Zentrum dieser illustren Runde George Onslow. Dass der in Clermont-Ferrand geborene Sohn eines englischen Vaters und einer französischen Mutter es so prominent in diese Galerie geschafft hatte, sagt schon einiges über seinen damaligen Status im französischen Musikleben aus. Zunächst hatte Onslow eine Pianistenkarriere im Visier. Doch nach der Begegnung mit seinem zukünftigen Lehrer Anton Reicha sollte sein Stern ebenso rasch aufgehen – wie nach seinem Tod wieder versinken. Heute wird das Schaffen von Onslow zwar in einschlägigen Lexika erwähnt. Live zu hören bekommt man von ihm jedoch so gut wie nie etwas. Dabei hätte allein sein Kammermusikschaffen schon einiges zu bieten. Neben knapp 40 Streichquartetten stehen da immerhin 34 Streichquintette zu Buche. Und während die Streichquartette in klassischer Besetzung zu spielen sind, hat sich Onslow für die Streichquintette neben der üblichen Besetzung hier und da auch schon mal für so ungewöhnliche Alternativen entschieden, wie etwa einen Kontrabass anstelle eines zweiten Cellos einzusetzen. Schule hat das nicht gemacht. Trotzdem findet sich mit dem in Spanien beheimateten Élan Quintet tatsächlich ein Ensemble, das sich für die wenigen Stücke für diese ausgefallene Breitwand-Besetzung stark macht. Nun legen die fünf Musiker bereits die zweite Folge der Onslow`schen Streichquintette feat. Kontrabass vor, darin in Weltersteinspielung die beiden viersätzigen Werke Nr. 10 op. 32 und Nr. 22 op. 57 aus den Jahren 1827 bzw. 1836. Sie lassen Einflüsse von Beethoven und Schubert erkennen. Dennoch hat Onslow auch diesen Werken eine eigenständige romantische Klangseele eingehaucht, die einen noch nach mehrmaligem Hören packt und ergreift. Ihre Individualität und ihren Gehalt versteht das Élan Quintet glänzend zu transportieren. Und der Kontrabass? Hier ist er kein exotischer Fremdkörper, sondern ein perfekt integrierter Impulsgeber.

Guido Fischer, 02.12.2017



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