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Johann Sebastian Bach

Die Brandenburgischen Konzerte, Sinfonien der Kantaten BWV 42 & 174

Berliner Barock Solisten, Reinhard Goebel

Sony 88985361112
(95 Min., 7 & 12/2016) 2 CDs

Mit 65 Jahren und nach einem reichen Berufsleben kann man durchaus schon mal ein wenig altersmilde werden. Muss man wirklich noch überall anecken oder gegen den Strom schwimmen? Solche Überlegungen mögen sich andere 65-Jährige machen, nicht aber Reinhard Goebel! Denn irgendwie ist er für das erfrischende Widerwort und die von Fakten abgesicherte Gegenposition einfach geboren. Und er hat es wieder getan. Nachdem er 1986 – damals noch mit seinem legendären Kollektiv Musica Antiqua Köln – Bachs sechs „Brandenburgische Konzerte“ von den Tempi bis zum gemeinschaftlichen Konzertieren her nach Strich und Faden mächtig durchgeputzt und damit die Bach-Gemeinde regelrecht vor den Kopf gestoßen hatte, ist Goebel erneut mit diesem halben Dutzend ins Aufnahmestudio gegangen. Mit dabei diesmal: die Berliner Barock Solisten, mit denen Goebel sich zuletzt auch so manche Sinfonien vom Bach-Junior Carl Philipp Emanuel vorgeknöpft hatte. Mit den „Brandenburgischen Konzerten“ stand diesmal ein Konvolut auf den Notenpulten, mit dem sich bereits alle namhaften Originalklang-Verfechter von Harnoncourt bis Koopman beschäftigt haben. Aber Goebel hat es erneut geschafft, aus diesem Zyklus ein Ereignis und Erlebnis zu machen. Klar: Auch diesmal ist Attacke Trumpf (das „Andante“ etwa aus dem 2. Brandenburgischen Konzert hat einst Kollege Rinaldo Alessandrini doppelt so langsam genommen!). Dabei geht es Goebel nicht um Rekorde, Rekorde, Rekorde. Über dem hüpfenden Fundament lässt er sich einen luftigen Dialog zwischen Geige, Blockflöte und Oboe entwickeln, in dem nach knapp zweieinhalb Minuten einfach alles gesagt ist. Zugleich schafft es Goebel erneut, aus dieser Musik von erregendem Drive und sprudelnder Lebensfreude bis zu kühnen Farben und feingeistigen Einwürfen alles herauszukitzeln, was eine Neuaufnahme mehr als rechtfertigt. Dass er zudem Trompeter Reinhold Friedrich und Bratscher Nils Mönkemeyer für die Soloparts gewinnen konnte, ist quasi die Sahne auf der Bach-Torte.

Guido Fischer, 02.12.2017



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