Der Exotismus, die Sehnsucht nach einer fernöstlichen, von der unsrigen gänzlich verschiedenen Welt, ist das verbindende Element unter den Werken dieses außergewöhnlichen Rezitals. Mit staunenswerter Leichtigkeit meistert die Sopranistin Sabine Devieilhe die exaltierten Melismen vieler der hier versammelten Stücke; Delibes` „Lakmé“, Strawinskis „Rossignol“ oder das lyrische Ich der „Quatre poèmes hindous“ von Maurice Delage sind, aus Mythen und Märchen entsprungen, Figuren, die der jungen Sängerin auf den Leib geschneidert zu sein scheinen – und vor allem in die Kehle gelegt! Den Hörer freut das von der ersten bis zur letzten Minute, und er begrüßt auch das Auftreten einiger Gaststars. So akkompagniert etwa Alexandre Tharaud u.a. Debussys „Romance d’Ariel“ mit großer Vollkommenheit, während Marianne Crebassa für das berühmte „Duo des fleurs“ aus „Lakmé“ zur Verfügung stand. Den Löwenanteil des Begleitens bestreitet tadellos das Orchester Les Siècles unter der Leitung von François-Xavier Roth.
So ist diese CD sowohl thematisch wie auch interpretatorisch ein echter Leckerbissen, entstand sie doch aus der im Beiheft bekundeten Leidenschaft Sabine Devieilhes für das hier präsentierte Repertoire. Unverkennbar eine Herzensangelegenheit.

Michael Wersin, 11.11.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Souvenir d’Italie: Wer bei russischer Kammermusik harmonisches Räucherwerk und schweren Samt erwartet und sich vorbereitend den Hemdkragen öffnen will, wird überrascht sein. Michail Glinka, der „Vater der russischen Musik“, war ein reisefreudiger Mann. Nachdem er seine stilbildende Oper „Ein Leben für den Zaren“ in St. Petersburg abgeliefert hatte, und weil es dort politisch so ungemütlich für Freigeister wie ihn wurde, begab er sich 1830 nach Italien und tauchte tief in die […] mehr »


Top