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Felix Mendelssohn Bartholdy

Die Sinfonien (Gesamtaufnahme)

Yannick Nézet-Séguin, Chamber Orchestra of Europe, RIAS Kammerchor, Karina Gauvin, Regula Mühlemann, Daniel Behle

DG/Universal 4797337
(200 Min., 2/2016) 3 CDs

Zurück bei musikalischen Freunden – so könnte man die jüngste CD-Produktion des kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin auch betiteln. Denn für die Gesamteinspielung aller fünf Sinfonien von Felix Mendelssohn Bartholdy hat er sich wieder mit dem Chamber Orchestra of Europe zusammengetan. Dass man gemeinsam altbekanntes Repertoire mächtig auffrischen kann, hat man schon 2014 mit der durchaus furiosen Gesamteinspielung der Schumann-Sinfonien bewiesen. An die Tugenden der Schumann-Aufnahmen hat das Musikerteam nun bei diesem – 2016 live in der Pariser Philharmonie mitgeschnittenen – Konzertreigen angeknüpft. Was Durchhörbarkeit, kernigen Zugriff, aber auch federnde Leichtigkeit und unbeschwertes Romantikgefühl angeht, lassen Nézet-Séguin und das Chamber Orchestra of Europe keine Wünsche offen. Und dass man sich mit den Gepflogenheiten der historischen Aufführungspraxis auch dank des einstigen COE-Ziehvaters Nikolaus Harnoncourt blendend auskennt, stellt man bereits im Eröffnungssatz von Mendelssohns Debüt-Orchestersinfonie unter Beweis. Zwar ist hier das ständig aufblitzende klassizistische Element die perfekte Steilvorlage für einen forschen Drive, der an denjenigen der Originalklang-Kollegen vom Freiburger Barockorchester erinnert, die ja ebenfalls gerade an einem Mendelssohn-Zyklus sitzen. Doch erweisen sich Nézet-Séguin & Co noch vielmehr in den Sinfonien Nr. 2, 3 & 5 als packende Gestaltungskünstler. All die widerstrebenden Kräfte mit ihren fantastisch-romantischen Zügen und Spannungen, die sich von Ferne schon im vollendeten Erstlingswerk des damals erst 15-jährigen Komponisten angekündigt haben, werden jetzt mit einer Brillanz, Unbedingtheit und Eindringlichkeit dargelegt, an die ein klassisches großes Sinfonieorchester nur schwerlich herankommt. Aber auch beim Luftigen und Quirligen sind die Musiker voll in ihrem Element, ohne dabei – wie in der „Italienischen“ – auf plumpe äußerliche Virtuosität zu setzen. Was das makellose Ineinandergreifen von Geist und Musizierspaß angeht, kann man sich aktuell kaum ein gelungeneres Porträt vom Sinfoniker Mendelssohn vorstellen.

Guido Fischer, 09.09.2017



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