Eine Rezension der auf dieser CD enthaltenen Musikstücke – es handelt sich um Auskoppelungen aus unterschiedlichsten Alben des Labels – verbietet sich aufgrund des Anlasses der Veröffentlichung: Die CD ist nämlich der Barockgeigerin und Musiktherapeutin Mélanie Defize gewidmet, die Mitarbeiterin des Labels Cypres war, bis zum 22. März 2016. An diesem Tag wurde sie auf dem Weg zur Arbeit Opfer des terroristischen Anschlags in der Brüsseler U-Bahn-Station Maalbeek.
Der Zusammenschnitt aus Nummern verschiedenster Genres – klassische Musik steht hier zumindest in ihrer „Reinform“ nicht einmal im Vordergrund, sondern einfallsreiche Bearbeitungen klassischer Titel erklingen neben im weiteren Sinne folkloristischen Stücken – darf verstanden werden als leidenschaftliches Bekenntnis zu grenzenloser künstlerischer Kreativität, die die ganze traurige Armseligkeit und Sinnlosigkeit terroristischer Aktivitäten gnadenlos entlarvt. Für die Hörer, die Mélanie Defize überwiegend ja nicht persönlich kannten (der Rezensent gehört auch zu ihnen), verknüpfen sich mit dem Gehörten freilich keine Erinnerungen; dennoch kann die junge Frau, deren Persönlichkeit schemenhaft aus den im Beiheft enthaltenen, an sie gerichteten Briefe von Weggefährten ersteht, als Symbol gelten für den lebensbejahenden, kompetenten und weltoffenen Umgang mit solcher Kreativität.
Man höre diese CD, die zumindest für Klassik-Hörer auch manches Überraschende oder gar Irritierende enthält, also einerseits als Memento für die Verwerfungen, die die unüberschaubare Vielfalt menschlichen Seins leider hervorzubringen vermag, andererseits und vor allem aber als nachdrückliches Ja-Wort an das Leben mit allem, was es an Schönem und Großem beinhalten kann.

Michael Wersin, 09.09.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Im Italien des 19. Jahrhunderts ist für Instrumentalisten nicht viel zu holen. Die großen Komponisten dieser Zeit: Alle schrieben sie Oper. Verdi, Puccini, Rossini, Donizetti, es ist zum Verzweifeln (zumindest aus Sicht der Kammermusik- und Orchesterfreunde)! Doch muss man nur ein wenig Schatzgräber-Instinkt mitbringen und gründlich suchen, wie es die Münchener Cellistin Raphaela Gromes und Pianist Julian Riem für ihre Debüt-CD bei Sony getan haben, und man stößt doch auf die eine oder […] mehr »


Top