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Franz Schubert

Streichquartett G-Dur D 887, Quartettsatz c-Moll D 703

Doric String Quartet

Chandos/Note 1 CHAN 10931
(61 Min., 5/2016)

„Filigran“ ist vielleicht das richtige Wort für das Timbre des ersten Geigers des Doric String Quartet. Man muss eine ganze Weile in Schuberts Quartettsatz c-Moll hineinhören, bis man für sich entschieden hat, ob einem der Tonfall, den der Primarius für die ganze Gruppe vorzugeben scheint, nicht vielleicht ein wenig zu schmallippig ist. Aber zweifellos schaffen es die Musiker auf dieser Basis, mit einem ungeheuer breiten dynamischen Spektrum die großen Gegensätze der Musik Schuberts überzeugend auszuspielen – ohne dabei jemals auch nur ansatzweise fett oder gar schwülstig werden zu müssen im Klang. Nein, ihre Crescendi, auch später im Kopfsatz des aberwitzig expressiven G-Dur-Quartetts, entwickeln sich stets aus dem Fast-Nichts hin zu einer fast schmerzhaften Intensität, die dem Hörer wahrlich keinerlei Schwammerl-Behaglichkeit schenkt. Der Schubert des Doric-Quartetts darf ein reifer Geist von bisweilen schier überweltlicher Größe sein. Verloren geht in dieser sehr strukturierten, in der Ökonomie der eingesetzten Mittel zeitweilig beklemmend nüchternen Darbietung dafür das Idyll, das bei Schubert doch in fast jedem größeren Stück als Gegenwelt zur oft grausam nervenzerrenden Musik der bitteren Realität in Erscheinung tritt. In solchen Passagen scheint es, als wollten die Musiker des Doric-Quartetts mögliche weitere Entwicklungsschritte Schuberts schon vorwegnehmen: Ist er nicht letztendlich doch ganz und gar zu Hause im Zwei-Welten-Spannungsfeld der Romantik? Beim Hören dieser CD überfällt den Rezensenten gelegentlich die Vision, ein steinalter Schubert säße gemeinsam mit dem verschlossenen, sauertöpfischen Brahms schweigend auf einer Wiener Parkbank, während in seinem Inneren noch die langgehegten großen, doch mittlerweile sublimierten und abgeklärten Leidenschaften schwelen.

Michael Wersin, 15.07.2017



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