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Rondo-Gespräche zum Musiksponsoring: Deutsche Bank Stiftung

Banker zum Olymp

In den beiden berühmtesten Geldtürmen der Republik residiert nicht nur Deutschlands größte Bank, die passenderweise den Vor-Namen »Deutsche« trägt, die Türme enthalten auch eine der wertvollsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Deutschland. Ein weiteres schönes Beispiel dafür, dass Geld und Kunst im Idealfall eine fruchtbare Verbindung eingehen. RONDO Herausgeber Günter Bereiter besuchte Michael Münch, Vorstandsmitglied der Deutsche Bank Stiftung in Frankfurt, wo man nicht nur junge Künstler und junge Kunstkonsumenten fördert, sondern auch der immer noch etwas schwach-brüstigen Musikszene der »vergessenen« Länder Osteuropas auf die Beine helfen möchte.

RONDO: Die Musik spielt, neben der Bildenden Kunst und verschiedenen sozialen Projekten, in den Aktivitäten der Deutsche Bank Stiftung eine herausragende Rolle ...

Michael Münch: Wir fördern zum Beispiel einen der bedeutendsten Dirigentenwettbewerbe der Welt, benannt nach Sir Georg Solti, der alle zwei Jahre hier in Frankfurt stattfindet. Daran nehmen, zunächst per DVD oder Video, über 500 Bewerber aus sechs Dutzend Ländern teil, immerhin etwa ein Viertel davon sind junge Frauen. 24 kommen in die Endauswahl und werden nach Frankfurt zu den Sichtungen eingeladen, bevor am Ende drei von ihnen mit dem gleichen Orchester und ausgelosten Programmen einen jeweils halbstündigen öffentlichen Auftritt in der Alten Oper haben.

RONDO: And the winner was ...

Münch: In diesem Jahr dirigierten die drei Finalisten am Pult des hr-Sinfonieorchesters die Ouvertüren zu Rossinis »Wilhelm Tell« (Andreas Hotz), zu Verdis »Macht des Schicksals« (Eugene Tzigane) und Shizuo Kuwahara die zu Webers »Oberon«. Kuwahara, der vor zwei Jahren schon einmal auf dem Podium stand, gewann dieses Mal den ersten Preis in Höhe von 15.000 Euro.

RONDO: Sie tun aber auch etwas für die, die nicht an der Rampe stehen.

Münch: Für die haben wir das Projekt »Akademie Musiktheater heute«. Hier geht es darum, den Führungsnachwuchs »hinter der Bühne« zu unterstützen: Dramaturgen, Regisseure, angehende Intendanten, Bühnenbildner, Dirigenten und Komponisten. Die Teilnehmer sind an der Schwelle zwischen Studierende und Berufserfolg, zumeist noch unter 30, haben also schon erste Erfahrung im Job gesammelt. Unsere Idee war, für diese Leute ein Netzwerk auf hohem Niveau aufbauen zu helfen.

RONDO: Das bedeutet konkret?

Münch: Die Stipendiaten besuchen mehrmals im Jahr eine gemeinsam ausgewählte Inszenierung und diskutieren nach den Aufführungen mit den beteiligten Künstlern - Regisseuren, Sängern, Dirigenten, Bühnenbildnern – das Gesehene. Es ist immer wieder schön zu sehen, welche Kontakte sich zwischen den Beteiligten bei diesen Gelegenheiten aufbauen und wie hier neue gemeinsame Projekte geplant werden.

RONDO: Und die ersten Absolventen sind auch schon erfolgreich?

Münch: Ja, bei diesem Projekt ist die Saat wirklich aufgegangen. Cornelius Meister, Generalmusikdirektor in Heidelberg und jüngster deutscher GMD, ist ein Absolvent unserer Akademie. Der neue Operndirektor in Weimar, Karsten Wiegand, ist ein Absolvent, ebenso der junge Dirigent Constantin Trinks, der jetzt nach Darmstadt geht. An einem Haus wie dem Theater Augsburg arbeiten sogar gleich mehrere ehemalige Stipendiaten eng zusammen. Das sind nur ein paar Beispiele dafür, wie dieses Netzwerk in seinem besten Sinne wirkt.

RONDO: Machen wir einen Sprung in die entlegensten Winkel Osteuropas: zum Verein CEE Musiktheater.

Münch: Diesen Verein hat die Republik Österreich zusammen mit der Deutsche Bank Stiftung gegründet. Es geht um den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Musiktheaters in Osteuropa, in Ländern, die damals oder auch heute noch nicht der Europäischen Union angehör(t)en. Länder wie Bosnien, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Moldawien, Serbien oder Albanien. Es geht um Länder, wo die Finanzierung und Aufrechterhaltung des klassischen Musiktheaters noch auf große Hindernisse stoßen.

RONDO: Was leistet der Verein dort?

Münch: Ein wesentlicher Aspekt dieser Initiative ist es, begabte Künstler aus diesen Ländern mit Hilfe von Künstlerstipendien dazu zu motivieren, nach ihrer Ausbildung zunächst ein paar Jahre in ihren Ländern zu bleiben und nicht gleich in den vermeintlich goldenen Westen überzutreten, wo natürlich die viel höheren Gagen winken.

RONDO: Wie hoch ist die Dotierung eines solchen Stipendiums?

Münch: Sie können in diesen Ländern dank oder vielleicht besser: wegen der immer noch großen Kaufkraftunterschiede mit relativ bescheidenen Summen sehr viel erreichen, also zum Beispiel mit einer Leistung von ein- oder dreihundert Euro für einen jungen Künstler im Monat.

RONDO: Und die Theater selbst profitieren auch von Ihrem Engagement?

Münch: Wir wollen die dortigen Häuser auch in ihrer Infrastruktur unterstützen, die, wenn man hinter die Kulissen schaut, teilweise abenteuerliche Züge aufweist. Da könnten Sie deutsche Bühnenarbeiter niemals dazu bewegen, dort eine Kulisse aufzubauen. Und wenn Sie sehen, wie viel Sie auch in diesem Punkt mit relativ überschaubaren Beträgen erreichen können: Mit weniger als zehntausend Euro kann man einen gesamten Künstlerbereich hinter der Bühne soweit sanieren, dass ein vernünftiger Aufenthalt und Vorbereitung möglich werden. Zuletzt haben wir einiges für das Theater in Timisoara getan, wo Sie in der unmittelbaren Umgebung noch Einschüsse aus dem Zweiten Weltkrieg sehen – es ist wirklich abenteuerlich.

RONDO: Das jährliche Budget des Vereins erscheint, gemessen an unseren Verhältnissen, fast schon absurd niedrig.

Münch: Unser jährliches Budget liegt zwischen 300.000 und 600.000 Euro, mit denen sich in Osteuropa aber sehr viel bewegen lässt. Das war eben die Idee, dort zu helfen, wo wirklich Pionierarbeit zu leisten ist. Übrigens ist Ioan Holender von der Wiener Staatsoper, der selbst aus Timisoara stammt, eine der großen Stützen bei der Arbeit des Vereins.

RONDO: Zurück nach Deutschland. Wir können in diesem Gespräch manche Aktivität der Stiftung nur streifen wie die Unterstützung der Wiedererrichtung des Musikgymnasiums in Weimar nach der Wende oder das Opernstudio in Frankfurt, wo junge Sängerinnen und Sänger die ersten Schritte auf die ganz große Bühne wagen. Etwas mehr erfahren möchten wir aber noch von der Initiative »Kinder zum Olymp«.

Münch: »Kinder zum Olymp« ist ein jährlicher Wettbewerb, bei dem sich Kooperationsprojekte zwischen Schulklassen und Kulturinstitutionen aus Bereichen wie Musik, Film, Literatur oder Bildende Kunst bewerben. Die Schüler stellen ihre Projekte vor, es gibt Fachjurys in jeder Disziplin, und es werden Auszeichnungen und Preise für die besten Projekte vergeben. Hier haben wir gelernt, dass es entgegen vieler Vorurteile sehr viele Lehrer gibt, die sich weit über das notwendige Maß hinaus engagieren, die mit ihren Klassen Museumsprojekte machen oder Musikstücke aufführen. Es gibt da eine sehr große Landschaft kulturellen Engagements, die auch ein Stück Mut macht, dass das Interesse an Kultur auch bei den nachwachsenden Generationen nicht versiegt. Das wollen wir auch in Zukunft unterstützen.

RONDO: Zum Schluss die obligatorische Frage an die Verantwortlichen im deutschen Musiksponsoring: Was hat Ihnen persönlich in jüngster Zeit im Musikleben am besten gefallen?

Münch: Ganz frisch ist bei mir die Erinnerung an das Finalkonzert unseres Dirigentenwettbewerbs in diesem Jahr, bei dem sich im zweiten Teil die drei Finalisten mit dem selben Stück aus Strawinskys »Feuervogel« auseinander zu setzen hatten. Das ergab dann die Möglichkeit zu einem unmittelbaren und sehr intensiven Vergleich ganz unterschiedlicher Dirigierstile.

Günter Bereiter, RONDO Ausgabe 6 / 2008



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