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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Tenor Roberto Alagna hat in einem Interview mit dem Daily Telegraph ein Ende der Bühnenpartnerschaft mit seiner Ehefrau Angela Gheorghiu bekannt gegeben. »Wir haben uns geeinigt, unsere Karrieren getrennt voneinander fortzusetzen. ›Carmen‹ an der Met werden wir noch zusammen singen, danach noch etwas Puccini an Covent Garden – aber danach nichts mehr.«
Mit einem Arienprogramm im Teatro Liceu von Barcelona hat Edita Gruberova ihre Rückkehr zum Mozartrepertoire gefeiert. Elettras Gift (»Oh smania! «) verspritzte sie mit sardonischer Aggressivität, sang mit gereiftem Belcantoton noch einmal Donna Anna und Konstanze. Danach ließ es sich die 62-Jährige nicht nehmen, die jungmädchenhafte Susanna (»Le nozze di Figaro«) mit kieksender Kammerzofen- Vergangenheit zum Besten zu geben. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, war bereits zu Anfang des Konzerts Paminas »Ach, ich fühl’s« mit sentimentalem Unschuldston vorangegangen. Zur Strafe rutschte der Sängerin ein Ohrclip vom Läppchen und verschwand unversehens im Dekolleté. Mittels eines beherzten Griffs der erschreckten Trägerin war er indes rasch wieder da.
Lothar Zagrosek, Chefdirigent des auf seinen Wunsch umbenannten Konzerthausorchesters (ehemals Berliner Sinfonie-Orchester) ist offenbar von seinem eigenen Orchester abgesägt worden. Während nach außen Verhandlungsbereitschaft und Geldgründe vorgeschützt werden, scheint ihm die Tatsache zum Verhängnis geworden zu sein, dass er 2006 nur mit halber Rückendeckung durch das Orchester installiert worden war. Auch bei Ingo Metzmacher, dem Noch-Chefdirigenten des Deutschen Symphonie- Orchesters (DSO), scheinen musikalische Vorbehalte der Musiker zum Rücktritt beigetragen zu haben. Dergleichen ist nichts Neues. Zuletzt wurde das Scheitern von Christoph Eschenbach beim Philadelphia Orchestra damit erklärt, dass er über den Kopf des Orchesters hinweg eingestellt worden war. Die Vorfälle wiederholen sich. Die Verantwortlichen werden nicht klug. Daniele Gatti, noch immer als Nachfolger des vor vier Jahren zurückgetretenen Riccardo Muti an der Mailänder Scala gehandelt, soll in Wirklichkeit heißester Nachfolgekandidat von Franz Welser-Möst am Opernhaus Zürich sein. Hier möchte der ausscheidende Intendant Alexander Pereira seinem Nachfolger Andreas Homoki noch rasch einen Chefdirigenten hinterlassen.
Dass Geld die Kunst regiert, ist eine Binsenweisheit – hier nur drei der neuesten Beispiele: Der Chefdirigent des Cleveland Orchestra, Franz Welser-Möst, muss infolge der Wirtschaftskrise auf ein Fünftel seines Gehaltes verzichten. Das Philadelphia Orchestra, das noch einen Nachfolger für Christoph Eschenbach (bzw. für dessen Interimsersatz Charles Dutoit) sucht, hat aus vergleichbaren Gründen ein Fünftel seines Personals entlassen. Und der private Pensionsfonds der neuseeländischen Sopranistin Kiri Te Kanawa ist von einer Bankangestellten um 650.000 US-Dollar erleichtert worden - die 27-Jährige bezahlte mit dem Geld ihr Eigenheim.
Die Sopranistin Christina Gallardo-Domâs hat Auftritte bis Ende April wegen chronischer Arthritis absagen müssen. Für Mitte nächsten Jahres hat die Sängerin Cecilia Bartoli ihr Rollendebüt als »Norma« in einer konzertanten Aufführung am Konzerthaus Dortmund angekündigt. Thomas Hengelbrock dirigiert sein Balthasar-Neumann-Ensemble. Filmregisseur John Waters bereitet eine Opernfassung seines Films »Pink Flamingos« (1972 mit Divine) vor. Ihren 99. Geburtstag hat in Italien die Verismo-Diva Magda Olivero gefeiert. Ein Interview aus diesem Anlass gibt es auf Youtube zu sehen. Olivero beabsichtigt, an der Feier ihres 100. Geburtstages im nächsten Jahr selbst teilzunehmen.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2009



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