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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne. Von Robert Fraunholzer

Was lange gärt, geht doch entzwei. Die rumänische Sopranistin Angela Gheorghiu (47) und Tenor Roberto Alagna (49), Nichtmehr- und-dann-doch-wieder-Traumpaar der Oper, haben nach jahrelangem Hin und Her bestätigt, dass sie sich „in aller Freundschaft darauf verständig haben“, ihre Ehe auflösen zu lassen.
Nach einer neuen Biografie über Benjamin Britten soll der Komponist an den Folgen einer Syphilis-Erkrankung gestorben sein. Sie verhinderte, dass eine Herzinsuffizienz Brittens erfolgreich behandelt werden konnte. So schreibt Paul Kildea, Autor von „Benjamin Britten. A Life in 20th Century“. Syphilis sei nicht Brittens direkte Todesursache gewesen, habe aber sein Herz derart geschwächt, dass ein von den Ärzten prognostizierter Heilungsprozess ausblieb.
Der britische Musikkritiker Norman Lebrecht hat bemängelt, beim Neujahrskonzert der Wiener Philhar monik er hätten nur zwei Frauen im Orchester mitgewirkt. Auch zeige die Zusammensetzung des Orchesters eine Diskriminierung bestimmter ethnischer Gruppierungen. Weder Asiaten noch Nicht- Weiße würden im Orchester beschäftigt. Lebrecht liegen daneben Insider-Informationen vor: Ein Tuba-Spieler des New Japan Philharmonic habe bei einem Vorspielen an der Wiener Staatsoper zwar gewonnen, sei aber von den Wiener Philharmonikern (die sich aus dem Orchester der Staatsoper rekrutieren) abgelehnt worden. Daraufhin habe er zum Cleveland Orchestra gewechselt. Zwei angelsächsische Posaunisten, die das Orchester gleichfalls verließen, berichteten über eine feindselige Atmosphäre innerhalb ihrer Instrumentengruppe.
Nach einer misslungenen Augen-Operation ist der französische Dirigent Pierre Boulez (87) offenbar kaum noch seh- und arbeitsfähig. Konzerte in Paris musste er absagen. Die Academy des Lucerne Festival will er allerdings weiterhin betreuen, wenn auch möglicherweise nicht als Dirigent. Wegen einer Leistenbruch-Operation hat der Dirigent Riccardo Muti (71) eine geplante Asientournee mit dem Chicago Symphony Orchestra abgesagt. Ihn ersetzt Lorin Maazel (82).
Der neu eröffnete Saal der Wiener Sängerknaben im Wiener Augarten konnte offenbar nur gegen größte Widerstände der Bevölkerung durchgesetzt werden. „Ich muss in die Offensive gehen“, so die Leiterin Elke Hesse in einem Interview. Mit Parolen wie „Rettet den Augartenspitz“, Zeltlagern und Mahnwachen war man gegen den neuen Saal zu Felde gezogen. Hintergrund ist, dass man die Wiener Sängerknaben in Österreich eher als touristische Attraktion ähnlich der Sacher-Torte und den Lipizzanern toleriert, aber nicht als Kulturinstitution respektiert. In der über 500jährigen Geschichte (und trotz prominenter Absolventen von Schubert bis Max Emanuel Cencic, von Friedrich Haider bis Peter Weck) ist es das erste Mal, dass der Chor einen eigenen Saal erhält.
Der Dirigent Kurt Masur hat seine Entscheidung, sich öffentlich zu seiner Parkinson- Erkrankung zu bekennen, mit der Beeinträchtigung seiner Privatsphäre begründet. „Ich wollte endlich dem Gerede ein Ende machen!“, so Masur in der „Süddeutschen Zeitung“. „Jeder in meinem privaten Umfeld wurde inzwischen mit entsprechenden Fragen belastet, indem man sich hinter vorgehaltener Hand erkundigte: ‚Was hat er denn eigentlich?’“ Seine Krankheit sei nicht tödlich, so Masur. Dass er sie habe, hätten lange Zeit nicht einmal seine Ärzte gewusst. „Ich stehe dazu und bin mir bewusst, dass ich sie im Konzert vergessen machen muss, um das Publikum zu überzeugen. Wer sich während meiner Konzerte von der Vorstellung nicht trennen könnte, dass ich Parkinson habe, würde für die Musik nicht empfänglich sein.“

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 1 / 2013



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