Startseite · Klang · Magazin

Magazin

Schätze für den Plattenschrank

Guldas Privat-Chopin

Das Chopin-Jahr, so jung es noch ist, dürfte mit dieser Aufnahme seinen Mittagspunkt erreicht haben. Friedrich Gulda spielt Chopin. Seinem Sohn Paul verdanken wir die Ausgrabung der klanglich erstaunlich präsenten Privatmitschnitte aus den Fünfzigerjahren. Im Falle der Préludes montierte Guldas Sohn zwei Versionen auf sehr unterschiedlichen Instrumenten, was etwas fragwürdig ist, aber unser Staunen über Guldas Beherrschung der Sprache Chopins nicht mindert. Präludien der Extreme, überaus vehement in den schnellen Nummern, was man erwarten konnte, umso überraschender das Pianissimo-Dämmern an der Grenze des Stillstandes in den langsamen, etwa dem Lento in Fis-Dur. Wann hat man zuletzt einen klanglich derart verfeinerten, spannungsvoll ausgesungenen Chopin hören können? Und wenn nach dem unglaublich dramatisch gesteigerten Mittelteil des »Regentropfen«-Préludes die winzige Überleitung – ein paar Achtelnoten bloß – kommt, horcht man auf, als erlebe man sie zum ersten Mal. Guldas Entdeckungs-Eindringlichkeit scheint Abgespieltes magisch zu verjüngen. Auch die Barcarolle und einige Nocturnes bewegen sich in diesen Regionen. Solche Funde müssen die juvenile Konkurrenz erbleichen lassen.

Friedrich Gulda spielt Chopin

DG/Universal

Matthias Kornemann, RONDO Ausgabe 2 / 2010



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Guckt mehr Stockhausen!

Erben halten sich hoffentlich an den letzten Wunsch des Verstorbenen und kümmern sich nach besten […]
zum Artikel »

Pasticcio

Alles nur eine Frage der Perspektive?

Bach im Teilchenbeschleuniger! Und Wagner vor dem Kadi! Diese beiden Meldungen sorgen aktuell für […]
zum Artikel »




Top