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Die Jugendchorakademie

Blühende Chorlandschaften

Wer in der »Audi Jugendchorakademie« aufgenommen wird, hat wirklich gewonnen: Das von dem Ingolstädter Autobauer initiierte Projekt gibt jungen Chorsängern die Möglichkeit, sich in der Arbeit mit Spitzenkünstlern unter Beweis zu stellen.

Auf der Bühne und im Aufnahmestudio gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsorchester – unter der Leitung von Kent Nagano: 2010 ist dies der bisherige Höhepunkt in der Geschichte der erst vor drei Jahren gegründeten Jugendchorakademie. Aufgeführt und für die Veröffentlichung auf CD eingespielt wird unter anderem Robert Schumanns kaum bekannter »Königssohn « (op. 116) nach einer Ballade von Ludwig Uhland. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Sebastian Wieser aus der Kulturabteilung von Audi und Martin Steidler, Professor für Chorleitung an der Münchner Musikhochschule. Ein Casting war der erste Schritt zur Chorgründung: Aus etwa 200 singbegeisterten Jugendlichen wurden etwa 70 Personen ausgewählt und zu einem hochleistungsfähigen Ensemble zusammengestellt, das von Jahr zu Jahr zu etwa drei Vierteln konstant bleibt – für den Rest wird jeweils nachgecastet. Angefangen wurde mit einer bayernweiten Ausschreibung, mittlerweile kommen die Jugendlichen aus ganz Deutschland.
Man trifft sich zweimal jährlich zu einer intensiven Probenphase, bei der für Kost und Logis gesorgt ist. 2010 findet die Akademie im niederbayerischen Kloster Niederaltaich statt. Am Ende jeder Phase steht eine Reihe von Auftritten, unter anderem bei den etablierten Sommerkonzerten in Ingolstadt. Nachwuchsprobleme kennt die Jugendchorakademie bisher keine – das Zusammenbrechen regionaler Chorlandschaften in Kirche und Schule hat die Auswahl an »Spitzenkräften« noch nicht merklich eingeschränkt. Allerdings ist Steidler aufgefallen, dass nicht wenige junge Stimmen durch das, was heute so aus dem iPod schallt, schon ein wenig verbildet sind. Die starke Orientierung am Pop-Idiom schlägt sich bei den Mädchen immer öfter in einer zu tiefen Singstimmlage und mit überflüssigen Manierismen wie dem Anschleifen von Tönen nieder. Die nachdenklich stimmende Konsequenz: Wer in dieser Hinsicht nicht flexibel ist, kommt für die Akademie nicht mehr in Frage.

Michael Wersin, RONDO Ausgabe 3 / 2010



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