Startseite · Klang · Magazin

Magazin

Schätze für den Plattenschrank

Traumhafte Trauerarbeit

Wenn eine Bläserstimme sich zu einem Vokal-Ensemble gesellt, denkt man zwangsläufig an die Kooperation zwischen dem Saxofonisten Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble. Bei der brandneuen Freundschaft zwischen dem Klarinettisten David Orlowsky und Singer Pur stehen zwar auch Gesänge aus ferner Zeit auf dem Programm, doch nun sind es Klagelieder von Palestrina sowie Trauermetten von Gesualdo. Aber der eigentliche, himmelweite Unterschied zu den esoterisch anmutenden Schwebeklängen des »Officium«-Kollektivs liegt nun im Atem, Empfindungsreichtum und vor allem im Ernst, mit dem sich Singer Pur zusammen mit dem ausgesprochen sensibel »singenden« Orlowsky in die religiösen Welten des 16. Jahrhunderts aufmacht. Nichts wird da der alleinseligmachenden Kontemplation und Kulinarik geopfert. Vielmehr erzählen die jüdischen Klanglinien, die Orlowsky in den werkgetreuen Gesang der Renaissance-Werke einwebt, von jenem Seelenbeben, mit dem gerade Palestrinas Jeremias auf die Zerstörung der heiligen Stadt Jerusalem reagierte.

Jeremiah

David Orlowsky, Singer Pur

Sony

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 4 / 2010



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Hörtest

Claudio Monteverdi: Il quinto libro de madrigali

Im öffentlichen Streit, den Claudio Monteverdi und der Mönch Giovanni Maria Artusi zu Beginn des […]
zum Artikel »

Boulevard

Alte Bekannte, neuer Dancefloor-Sound

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Früher verstand man unter einem „Arrangement“ ja eher so etwas wie „Neuorchestrierung“ […]
zum Artikel »




Top