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Lisa Batiashvili (c) Sammy Hart/DG

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Daniel Barenboim, Meister aller Klassen und jetzt 75 Jahre alt, hat inzwischen Schwierigkeiten, sich „die Strümpfe alleine anzuziehen“. Das sagte er in Berlin. „Ich kann nicht mehr spät abends viel rauchen oder viel trinken. Bei allem, was ich tue, muss ich bedenken, welche Wirkung es haben wird“. Er habe zwar nie viel auf runde Geburtstage gegeben, müsse aber zugeben, „dass mein 70. Geburtstag heute von größerer Bedeutung für mich ist als noch vor fünf Jahren“. Er wolle lange leben. „Aber nur mit Lebensqualität! Ich habe zu oft Menschen gesehen, bei denen ich mich fragte: Wozu lebt man noch?! Mein Vater war zeitlebens sehr gesund, ist mit 87 Jahren gestorben. Aber seine letzten sechs, sieben Jahre waren die Hölle für ihn.“ Nur eines sei für ihn im Lauf der Jahre gleich geblieben: „Die erste Zigarre nach dem Frühstück ist die Beste für mich. Einige Sachen gibt es, die bleiben sich immer noch gleich.“
Sopranistin Anna Netrebko hat einen Münchner Auftritt als Tosca in Puccinis Oper abgesagt, um in Moskau am Rande eines Fußballspiels auftreten zu können. In den Medien wurde dies so interpretiert, Netrebko habe auf persönlichen Wunsch von Vladimir Putin auf der Änderung bestanden. In München sprang Angela Gheorghiu ein.
Das Quatuor Ébène hat schon wieder eine neue Viola. Für Adrien Boisseau, der eine Solo- Karriere anstrebt, wurde erstmals eine Frau, Marie Chilemme, aufgenommen.
Aribert Reimann (80) hält sich für einen „traumageleiteten“ Komponisten. „Beim Komponieren meiner Oper ‚Troades’ war es sogar ganz schlimm. Allnächtlich erschien mir meine Mutter im Traum. Ich begann zu denken: Vielleicht muss ich ihr das Stück widmen? Da kam sie nicht mehr.“ Komponieren habe ganz offensichtlich eine therapeutische Funktion für ihn, so Reimann im Zusammenhang mit der Berliner Uraufführung seiner neuen Oper „L’Invisible“. An ein bestimmtes Publikum denke er nie. „Andernfalls würde ich keinen Ton herausbekommen.“ Er lasse aber von dem Wunsch nicht ab, auch ein größeres Publikum anzusprechen. „Jeder, so denke ich, kann lernen, dass nicht alle Musik gleich sein muss. Ich gebe auch Tante Emma nie auf.“
Die English National Opera (ENO) plant aufgrund der kritischen Gesamtlage des Hauses eine fünfwöchige Musical-Strecke. Von Ende April bis Anfang Juni 2018 wird das Musical „Chess“ gespielt, komponiert von den ABBA-Mitgliedern Benny Andersson und Björn Ulvaeus.
Dirigent Daniele Gatti, Chef des Concertgebouw Orkest, glaubt nicht an den Mythos des italienischen Dirigenten. „Wussten Sie, dass sowohl Arturo Toscanini wie auch Claudio Abbado Noten in den Partituren geändert haben?“, so Gatti in Paris. Der strenge italienische Dirigent sei ein Klischee. Und der lässige ebenso. Verbindend sei nur, dass bis heute alle italienischen Dirigenten auch Komposition studiert hätten. Und dass sie aus dem Land der Oper stammen. „Wir kommen mit einem frischen Blick zum deutschen Repertoire. Deswegen war Toscanini bei Wagner sogar besser als bei Verdi.“
Schmusegeiger André Rieu beschäftigt auf Tour für sein Orchester mehrere mitreisende Köche. „Wir wollen gesund bleiben“, so Rieu lapidar gegenüber der Zeitschrift „Forbes“. Auch nach der Vorstellung würden noch Snacks serviert. „Ich liebe meine Frau, aber nachdem wir ein schönes Konzert gegeben haben, kann ich nicht ins Bett“, so Rieu. – Aus der finanziellen Krise, in die er sich selbst bugsiert hatte, ist Rieu mittlerweile wieder heraus.
Geigerin Lisa Batiashvili hatte mit einer elfwöchigen Auftrittspause die Notbremse vor einem womöglich drohenden Burnout gezogen. „Eine wirklich benötigte Pause“ nannte sie es in einer Mitteilung an ihre Fans. „Meinen Sohn mit einem Lächeln aufwachen zu sehen, was kann damit konkurrieren?!“, so Batiashvili. Inzwischen hat sie das Konzertieren wieder aufgenommen.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2017



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